Commit 048a05e9 authored by Christian Schaper's avatar Christian Schaper
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<p> Absolute Musik!
<note resp="#maximilian.furthmüller">Bereits im 18. Jahrhundert entstanden, war der Begriff „absolute Musik“ Gegenstand musikästhetischer Diskurse des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Wesentlich geprägt wurde die Formulierung 1854 durch <persName ref="#p0014">Hanslicks</persName> musikästhetische Schrift <title ref="#w0007">„Vom Musikalisch-Schönen“</title>, nach welcher diejenige Musik als „absolut“ zu bezeichnend ist, die sich unabhängig von aussermusikalischen Elementen konstituiert und lediglich aus ihrer kompositorischen Anlage heraus legitimiert. Darüber hinaus ist nach <persName ref="#p0014">Hanslick</persName> nur Instrumentalmusik „absolut“ – eine Definition, die für <persName ref="#p0017">Busonis</persName> Verständnis von absoluter Musik nicht ausreicht (Freiheit von den Bedingungen der Materie).</note>
<note resp="#maximilian.furthmüller">Bereits im 18. Jahrhundert entstanden, war der Begriff „absolute Musik“ Gegenstand musikästhetischer Diskurse des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Wesentlich geprägt wurde die Formulierung 1854 durch <persName ref="#p0014">Hanslicks</persName> musikästhetische Schrift <title ref="#w0007">„Vom Musikalisch-Schönen“</title>, nach welcher diejenige Musik als „absolut“ zu bezeichnen ist, die sich unabhängig von außermusikalischen Elementen konstituiert und lediglich aus ihrer kompositorischen Anlage heraus legitimiert. Darüber hinaus ist nach <persName ref="#p0014">Hanslick</persName> nur Instrumentalmusik „absolut“ – eine Definition, die für <persName ref="#p0017">Busonis</persName> Verständnis von absoluter Musik nicht hinreicht (Freiheit von den Bedingungen der Materie).</note>
Was die Gesetzgeber darunter
<lb/>meinen, ist vielleicht das Entfernteste vom Absoluten
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<!-- Goethe, Faust II. Worte gesprochen von Mephisto in Gestalt der Phorkyas. (Helena beklagt den Tod ihres Sohnes Euphorion,
fordert Persephone auf diesen und sich selbst zu sich zu nehmen)-->
</lg>
<note resp="#christian.schaper">### Goethe, Faust II: Phorkyas (Mephistopheles als altes Weib); Kontext: Helenas Totenklage über ihren Sohn Euphorion ###</note>
<note resp="#christian.schaper">Goethe, Faust II; es spricht Mephistopheles in Gestalt des alten Weibes Phorkyas; Kontext dieser Stelle ist die Totenklage der Helena über ihren Sohn Euphorion.</note>
</quote>
</p>
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<note style="*-repeat" place="bottom" n="1"><p><quote>„E<choice><sic>s</sic><corr>r</corr></choice> gibt uns zugleich mit dem Problem auch die Lösung“</quote>
<lb/>wie ich einmal von
<persName ref="#p0010">Mozart</persName> sagte.</p>
<note resp="#christian.schaper">### woher das Zitat? ###</note>
</note>
Die Wege, die uns
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<bibl>(<author><persName ref="#p0088">Riemann</persName></author>, <title>Musiklexikon</title>)</bibl>
</cit>
<note resp="#christian.schaper">### s.v. Temperatur, 6. Auflage 1905, S. 1316, https://archive.org/stream/musiklexikon02riemgoog#page/n1334/mode/2up ###</note>
<note resp="#christian.schaper">sub voce „Temperatur, 6. Auflage 1905, S. 1316.</note>
<p>So haben wir durch <persName ref="#p0011">Andreas Werkmeister</persName>, diesem Werk
<lb break="no"/>meister in der Kunst, das „Zwölfhalbtonsystem“ mit lauter un
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<lb/>die Vermischung zweier solcher Tonarten in Harmonie
<lb/>und Melodie.
<note resp="#jupp.wegner">Ob die Zahl 113 hier eine Übertreibung <persName ref="#p0017">Busonis</persName> darstellt, ist schwer zu erörtern.
Eine genauere algorhitmische Betrachtung des Problems zeigt auf, dass unter Zuhilfenahme
aller 12 gleichstufigen Halbtöne, innerhalb einer Oktave, 729 siebentönige aufsteigende
Skalen kombiniert werden können. Durch die Ermittlung identischer Skalen mittels Vergleich der
Intervallstruktur und Analyse der Tonleitern bezüglich nicht leitertypischer Elemente (z.B.
chromatischer Passagen und aufeinanderfolgender Terzen) und deren Elminierung
bleiben noch 59 siebentönige aufsteigende Skalen übrig. Mit 113 ist <persName ref="p0017">Busoni</persName> weder nahe an der einen
noch an der anderen Anzahl, was die Frage aufwirft, welche Ansprüche Busoni an eine solche von ihm
<note resp="#jupp.wegner">Ob die Zahl 113 hier eine Übertreibung <persName ref="#p0017">Busonis</persName> darstellt, ist schwer zu sagen.
Eine genauere algorhitmische Betrachtung des Problems zeigt, dass unter Zuhilfenahme
aller 12 gleichstufigen Halbtöne innerhalb einer Oktave 729 siebentönige aufsteigende
Skalen kombiniert werden können. Nach Eliminierung der in der Intervallstruktur identischen Skalen und Analyse der Tonleitern bezüglich nicht leitertypischer Elemente (z.B.
chromatischer Passagen und aufeinanderfolgender Terzen) bleiben 59 siebentönige aufsteigende Skalen übrig. Mit 113 ist <persName ref="p0017">Busoni</persName> weder nahe an der einen
noch an der anderen Zahl, was die Frage aufwirft, welche Ansprüche Busoni an eine solche von ihm
neu erdachte Leiter überhaupt hat.</note>
</p>
......
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</quote>
<bibl rend="align(right)">
<persName ref="#p0048">Hugo von Hofmannsthal</persName>,
<title ref="#w0006">„Ein Brief“</title>
<title ref="#w0006">„Ein Brief“</title>.
</bibl>
</cit>
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<p> Absolute Musik!
<note resp="#maximilian.furthmüller">Bereits im 18. Jahrhundert entstanden, war der Begriff „absolute Musik“ Gegenstand musikästhetischer Diskurse des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Wesentlich geprägt wurde die Formulierung 1854 durch <persName ref="#p0014">Hanslicks</persName> musikästhetische Schrift <title ref="#w0007">„Vom Musikalisch-Schönen“</title>, nach welcher diejenige Musik als „absolut“ zu bezeichnend ist, die sich unabhängig von außermusikalischen Elementen konstituiert und lediglich aus ihrer kompositorischen Anlage heraus legitimiert. Darüber hinaus ist nach <persName ref="#p0014">Hanslick</persName> nur Instrumentalmusik „absolut“ – eine Definition, die für <persName ref="#p0017">Busonis</persName> Verständnis von absoluter Musik nicht ausreicht (Freiheit von den Bedingungen der Materie).</note>
<note resp="#maximilian.furthmüller">Bereits im 18. Jahrhundert entstanden, war der Begriff „absolute Musik“ Gegenstand musikästhetischer Diskurse des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Wesentlich geprägt wurde die Formulierung 1854 durch <persName ref="#p0014">Hanslicks</persName> musikästhetische Schrift <title ref="#w0007">„Vom Musikalisch-Schönen“</title>, nach welcher diejenige Musik als „absolut“ zu bezeichnen ist, die sich unabhängig von außermusikalischen Elementen konstituiert und lediglich aus ihrer kompositorischen Anlage heraus legitimiert. Darüber hinaus ist nach <persName ref="#p0014">Hanslick</persName> nur Instrumentalmusik „absolut“ – eine Definition, die für <persName ref="#p0017">Busonis</persName> Verständnis von absoluter Musik nicht hinreicht (Freiheit von den Bedingungen der Materie).</note>
Was die Gesetzgeber darunter meinen,
<lb/>ist vielleicht das Entfernteste vom Absoluten in der Musik.
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Worte gesprochen von Mephisto in Gestalt der Phorkyas. (Helena beklagt den Tod ihres Sohnes Euphorion,
fordert Persephone auf diesen und sich selbst zu sich zu nehmen)-->
</lg>
<note resp="#christian.schaper">### Goethe, Faust II: Phorkyas (Mephistopheles als altes Weib); Kontext: Helenas Totenklage über ihren Sohn Euphorion ###</note>
<note resp="#christian.schaper">Goethe, Faust II; es spricht Mephistopheles in Gestalt des alten Weibes Phorkyas; Kontext dieser Stelle ist die Totenklage der Helena über ihren Sohn Euphorion.</note>
</quote>
</p>
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<lb/>wie ich einmal von
<persName ref="#p0010">Mozart</persName> sagte.
<note resp="#christian.schaper">### woher das Zitat? ###</note>
Die Wege, die uns
<persName ref="#p0001">Beet
<lb break="no"/>hoven</persName> eröffnet, können nur von Generationen zurückgelegt
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<lb/>begrenzt wie das als absolute Musik verkündete, von <persName ref="#p0014">Hans
<lb break="no"/>lick</persName> verherrlichte Klang<pc>=</pc>Tapetenmuster
<note resp="#maximilian.furthmüller"><persName ref="#p0017">Busoni</persName> verweist mit dieser (erst der Fassung von 1916 hinzugefügten) polemischen Formulierung auf <persName ref="#p0014">Eduard Hanslicks</persName> musikästhetische Schrift <title ref="#w0007">Vom Musikalisch-Schönen</title>. <persName ref="#p0014">Hanslick</persName> postuliert darin eine sich ausschließlich in Musik äußernde und den Geist anregende „Schönheit“ als oberstes kompositorisches Prinzip. Besonders die häufig als Formalismus missverstandene Formulierung „Tönend bewegte Formen sind einzig und allein Inhalt und Gegenstand der Musik“(1. Auflage, 1854) und die mit der zentralen Kategorie der Schönheit einhergehende stilistische Einschränkung mag bei <persName ref="#p0017">Busoni</persName> auf Unwillen gestoßen sein. Damit einhergehend lässt sich das „Klang-Tapetenmuster“ als bissige Anspielung auf die bei Hanslick als Vorbild für musikalische Schönheit angeführte Form der „Arabeske“ verstehen.</note>.
<note resp="#maximilian.furthmüller"><persName ref="#p0017">Busoni</persName> verweist mit dieser (erst der Fassung von 1916 hinzugefügten) polemischen Formulierung auf <persName ref="#p0014">Eduard Hanslicks</persName> musikästhetische Schrift <title ref="#w0007">Vom Musikalisch-Schönen</title>. <persName ref="#p0014">Hanslick</persName> postuliert darin eine sich ausschließlich in Musik äußernde und den Geist anregende „Schönheit“ als oberstes kompositorisches Prinzip. Besonders die häufig als Formalismus missverstandene Formulierung „Tönend bewegte Formen sind einzig und allein Inhalt und Gegenstand der Musik“ (1. Auflage, 1854) und die mit der zentralen Kategorie der Schönheit einhergehende stilistische Einschränkung mögen bei <persName ref="#p0017">Busoni</persName> auf Unwillen gestoßen sein. Das „Klang-Tapetenmuster“ ist als bissige Anspielung auf die bei Hanslick als Vorbild für musikalische Schönheit angeführte Form der „Arabeske“ zu verstehen.</note>.
Anstatt architektoni
<lb break="no"/>scher und symmetrischer Formeln, anstatt der Tonika<pc>=</pc> und
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<note place="bottom" n="1"><p>Eine Einleitung <rs ref="#p0017">des Verfassers</rs> zu einem Berliner Konzerte vom
<lb/><date when-iso="1910-11">November 1910</date>
<note resp="#christian.schaper">### 7.11.1910, 3. Nikisch-Konzert, Busoni spielte Beethoven 5. Konzert und Liszt Spanische Rhapsodie; siehe Programm-Buch, S. 23–28, Busoni-Nachlass E 1910, 7 ###</note>
<note resp="#christian.schaper">Drittes Nikisch-Konzert, 7. November 1910; Busoni spielte Beethovens 5. Klavierkonzert und Liszts Spanische Rhapsodie; siehe Programm-Buch, S. 23–28, Busoni-Nachlass E 1910, 7.</note>
enthielt u.&#8239;a. die folgenden Sätze: „Um das Wesen
<lb/>der ‚Bearbeitung‘ mit einem entscheidenden Schlage in der Schätzung
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<note place="bottom" n="1">
<p>Der einem nachgeht, überholt ihn nicht, soll <persName ref="#p0007">Michelangelo</persName> ge
<lb break="no"/>sagt haben. Und über die nützliche Anwendung der „Kopien“ äußert
<lb/>sich noch viel drastischer ein italienischer Spruch.</p>
<note resp="#christian.schaper">### was ist das für ein Spruch? ###</note>
</note>
<lb/>sich noch viel drastischer ein italienischer Spruch.</p></note>
</p>
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<note resp="#clemens.gubsch">Der von Busoni frei zitierte Brief Richard Wagners an
Franz Liszt ist auf den 8. Mai 1859 datiert. Busoni lag dabei die durch
Breitkopf &amp; Härtel herausgegebene, 2. vermehrte Auflage des
Briefwechsels zwischen R. Wagner und F. Liszt von 1900 vor.
Briefwechsels zwischen Wagner und Liszt von 1900 vor.
Der Originaltext lautet: <q>„Da heißt’s denn
nun: ‚Mach den Tristan fertig, dann wollen wir sehen!‘ – Das ist recht
schön. Wie aber, wenn ich den Tristan nun nicht fertigmachte, weil ich
......@@ -1523,10 +1517,10 @@
Chance, mir auf einem andren Wege zu helfen. Alles verrannt und
versperrt! Nur die Arbeit soll mir helfen: aber, was hilft mir dazu, das
ich eben arbeiten kann? – Offenbar habe ich zuwenig von dem, was Du
zuviel hast!‘</q>
zuviel hast!‘</q>
Eine andere Lesart legt dabei nahe, den Wagner’schen
Routinebegriff nicht als Hemmnis sondern vielmehr als Arbeitsfluss innerhalb
Routinebegriff nicht als Hemmnis, sondern vielmehr als Arbeitsfluss innerhalb
des Schaffensprozesses zu verstehen und somit den von Busoni konstatierten
Gegensatz zwischen handwerklicher Routine und künstlerisch-schöpferischer
Inspiration zu relativieren.</note>
......@@ -1731,7 +1725,7 @@
<lb/>brauchbar intonieren.“</q>
<bibl>(<author><persName ref="#p0088">Riemann</persName></author>, <title>Musiklexikon</title>)</bibl>
</cit>
<note resp="#christian.schaper">### s.v. Temperatur, 6. Auflage 1905, S. 1316, https://archive.org/stream/musiklexikon02riemgoog#page/n1334/mode/2up ###</note>
<note resp="#christian.schaper">sub voce „Temperatur, 6. Auflage 1905, S. 1316.</note>
<p>So haben wir durch <persName ref="#p0011">Andreas Werkmeister</persName>, diesem Werkmeister in
<lb/>der Kunst, das „Zwölfhalbtonsystem“ mit lauter unreinen, aber leidlich
......@@ -1918,15 +1912,13 @@
<lb break="no"/>dies die Vermischung zweier (und weshalb nicht mehrerer?)
<lb/>solcher Tonarten in Harmonie und Melodie.
<note resp="#jupp.wegner">Ob die Zahl 113 hier eine Übertreibung <persName ref="#p0017">Busonis</persName> darstellt, ist schwer zu erörtern.
Eine genauere algorhitmische Betrachtung des Problems zeigt auf, dass unter Zuhilfenahme
aller 12 gleichstufigen Halbtöne, innerhalb einer Oktave, 729 siebentönige aufsteigende
Skalen kombiniert werden können. Durch die Ermittlung identischer Skalen mittels Vergleich der
Intervallstruktur und Analyse der Tonleitern bezüglich nicht leitertypischer Elemente (z.B.
chromatischer Passagen und aufeinanderfolgender Terzen) und deren Elminierung
bleiben noch 59 siebentönige aufsteigende Skalen übrig. Mit 113 ist <persName ref="#p0017">Busoni</persName> weder nahe an der einen
noch an der anderen Anzahl, was die Frage aufwirft, welche Ansprüche Busoni an eine solche von ihm
neu erdachte Leiter überhaupt hat.</note>
<note resp="#jupp.wegner">Ob die Zahl 113 hier eine Übertreibung <persName ref="#p0017">Busonis</persName> darstellt, ist schwer zu sagen.
Eine genauere algorhitmische Betrachtung des Problems zeigt, dass unter Zuhilfenahme
aller 12 gleichstufigen Halbtöne innerhalb einer Oktave 729 siebentönige aufsteigende
Skalen kombiniert werden können. Nach Eliminierung der in der Intervallstruktur identischen Skalen und Analyse der Tonleitern bezüglich nicht leitertypischer Elemente (z.B.
chromatischer Passagen und aufeinanderfolgender Terzen) bleiben 59 siebentönige aufsteigende Skalen übrig. Mit 113 ist <persName ref="p0017">Busoni</persName> weder nahe an der einen
noch an der anderen Zahl, was die Frage aufwirft, welche Ansprüche Busoni an eine solche von ihm
neu erdachte Leiter überhaupt hat.</note>
</p>
<p>Die Skala <hi rend="antiqua">c des es fes ges as b c</hi> klingt schon bedeutend
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