Commit 18476906 authored by Christian Schaper's avatar Christian Schaper
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<lb break="no"/>tausende den Weg gefunden und beschreiben, wie ein <lb break="no"/>tausende den Weg gefunden und beschreiben, wie ein
<lb/>Planet, regelmässig ihren Kreis <lb/>Planet, regelmässig ihren Kreis
<note style="*-repeat" place="bottom" n="1">Dessenungeachtet können und werden an ihnen Geschmack <note style="*-repeat" place="bottom" n="1">
<lb/>und Eigenart sich immer wieder verjüngen und erneuern.</note>. <p>Dessenungeachtet können und werden an ihnen Geschmack
<lb/>und Eigenart sich immer wieder verjüngen und erneuern.</p>
</note>.
</p> </p>
<p>Ihnen gegenüber ist die Tonkunst das Kind, das <p>Ihnen gegenüber ist die Tonkunst das Kind, das
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<lb/>einer noch unabsehbaren Entwicklung und wir, – wir <lb/>einer noch unabsehbaren Entwicklung und wir, – wir
<lb/>sprechen von Klassikern und geheiligten Traditionen! <lb/>sprechen von Klassikern und geheiligten Traditionen!
<note style="*-repeat" place="bottom" n="2">„Tradition“ ist die nach dem Leben abgenommene Gips <note style="*-repeat" place="bottom" n="2">
<p>„Tradition“ ist die nach dem Leben abgenommene Gips
<lb break="no"/>maske, die – durch den Lauf vieler Jahre und die Hände unge <lb break="no"/>maske, die – durch den Lauf vieler Jahre und die Hände unge
<lb break="no"/>zählter Handwerker gegangen – schließlich ihre Ähnlichkeit mit <lb break="no"/>zählter Handwerker gegangen – schließlich ihre Ähnlichkeit mit
<lb/>dem Original nur mehr erraten läßt. <lb/>dem Original nur mehr erraten läßt.</p>
</note> </note>
<lb/>Und schon lange sprechen wir davon!</p> <lb/>Und schon lange sprechen wir davon!</p>
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was man „Mensch und Natur“ überschreiben könnte; was man „Mensch und Natur“ überschreiben könnte;
<note style="*-repeat" place="bottom" n="1">Seine Passions recitative haben das „Menschlich-Redende“, <note style="*-repeat" place="bottom" n="1"><p>Seine Passions recitative haben das „Menschlich-Redende“,
<lb/><hi rend="spaced-out">nicht</hi> „Richtig-Deklamirte“.</note> <lb/><hi rend="spaced-out">nicht</hi> „Richtig-Deklamirte“.</p></note>
<lb/>bei ihm gestaltet es sich am Unbefangensten, weil er noch <lb/>bei ihm gestaltet es sich am Unbefangensten, weil er noch
<lb/>keine Vorgänger respektirte – (wenn auch bewunderte <lb/>keine Vorgänger respektirte – (wenn auch bewunderte
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<p>Darum sind <persName ref="#p0012">Bach</persName> und <persName ref="#p0001">Beethoven</persName> <p>Darum sind <persName ref="#p0012">Bach</persName> und <persName ref="#p0001">Beethoven</persName>
<note style="*-repeat" place="bottom" n="2">Als die charakteristischen Merkmale von <persName ref="#p0001">Beethovens</persName> <note style="*-repeat" place="bottom" n="2"><p>Als die charakteristischen Merkmale von <persName ref="#p0001">Beethovens</persName>
<lb/>Persönlichkeit möchte ich nennen: den dichterischen Schwung, <lb/>Persönlichkeit möchte ich nennen: den dichterischen Schwung,
<lb/>die starke menschliche Empfindung (aus welcher seine revolu <lb/>die starke menschliche Empfindung (aus welcher seine revolu
<lb break="no"/>tionäre Gesinnung springt) und eine Vorverkündung des modernen <lb break="no"/>tionäre Gesinnung springt) und eine Vorverkündung des modernen
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<persName ref="#p0001">Beethoven</persName> kein „Meister“ im Sinne <persName ref="#p0001">Beethoven</persName> kein „Meister“ im Sinne
<lb/><persName ref="#p0010">Mozarts</persName> oder des späteren <persName ref="#p0006">Wagner</persName>, eben weil seine Kunst die <lb/><persName ref="#p0010">Mozarts</persName> oder des späteren <persName ref="#p0006">Wagner</persName>, eben weil seine Kunst die
<lb/>Andeutung einer grösseren, noch nicht vollkommen gewordenen, <lb/>Andeutung einer grösseren, noch nicht vollkommen gewordenen,
<lb/>ist. <ref target="#entwurf1907-abs11">(Man vergleiche den nächstfolgenden Absatz.)</ref></note> <lb/>ist. <ref target="#entwurf1907-abs11">(Man vergleiche den nächstfolgenden Absatz.)</ref></p></note>
als ein <hi rend="spaced-out">Anfang</hi> als ein <hi rend="spaced-out">Anfang</hi>
<lb/>aufzufassen und nicht als unzuübertreffende Abge <lb/>aufzufassen und nicht als unzuübertreffende Abge
...@@ -620,9 +623,9 @@ ...@@ -620,9 +623,9 @@
<lb/>Aufgabe derart war, dass sie von einem Menschen <lb/>Aufgabe derart war, dass sie von einem Menschen
<lb/>allein bewältigt werden konnte. <lb/>allein bewältigt werden konnte.
<note style="*-repeat" place="bottom" n="1"><quote>„E<choice><sic>s</sic><corr>r</corr></choice> gibt uns zugleich mit dem Problem auch die Lösung“</quote> <note style="*-repeat" place="bottom" n="1"><p><quote>„E<choice><sic>s</sic><corr>r</corr></choice> gibt uns zugleich mit dem Problem auch die Lösung“</quote>
<lb/>wie ich einmal von <lb/>wie ich einmal von
<persName ref="#p0010">Mozart</persName> sagte. <persName ref="#p0010">Mozart</persName> sagte.</p>
<note resp="#christian.schaper">### woher das Zitat? ###</note> <note resp="#christian.schaper">### woher das Zitat? ###</note>
</note> </note>
...@@ -670,14 +673,14 @@ ...@@ -670,14 +673,14 @@
<lb/>Form, Blättern, Blüten, Früchten, Wuchs und Farben <lb/>Form, Blättern, Blüten, Früchten, Wuchs und Farben
<lb/>von einander abweichend. <lb/>von einander abweichend.
<note style="*-repeat" place="bottom" n="2"><quote>»– – – <persName ref="#p0001">Beethoven</persName>, dont les esquisses <hi rend="spaced-out">thématiques <note style="*-repeat" place="bottom" n="2"><p><quote>»– – – <persName ref="#p0001">Beethoven</persName>, dont les esquisses <hi rend="spaced-out">thématiques
<lb/><choice><sic>on</sic><corr>ou</corr></choice> élémentaires</hi> sont innombrables, mais qui, sitôt les th<choice><sic>é</sic><corr>è</corr></choice>mes <lb/><choice><sic>on</sic><corr>ou</corr></choice> élémentaires</hi> sont innombrables, mais qui, sitôt les th<choice><sic>é</sic><corr>è</corr></choice>mes
<lb/>trouvés, semble par cela même en avoir établi tout l<choice><sic>a</sic><corr>e</corr></choice> d<choice><sic>e</sic><corr>é</corr></choice>ve <lb/>trouvés, semble par cela même en avoir établi tout l<choice><sic>a</sic><corr>e</corr></choice> d<choice><sic>e</sic><corr>é</corr></choice>ve
<lb break="no"/>loppement –«</quote> <lb break="no"/>loppement –«</quote>
<bibl rend="align-right"> <bibl rend="align-right">
(<author><persName ref="#p0016">Vincent d’ Jndy</persName></author> in (<author><persName ref="#p0016">Vincent d’ Jndy</persName></author> in
<title ref="#w0050"><persName ref="#p0015">César Franck</persName>“).</title> <title ref="#w0050"><persName ref="#p0015">César Franck</persName>“).</title>
</bibl> </bibl></p>
</note> </note>
</p> </p>
...@@ -1077,11 +1080,12 @@ ...@@ -1077,11 +1080,12 @@
<lb/>und Intervallen <hi rend="spaced-out">tönt</hi>. Ein Schrank kann „musikalisch“ <lb/>und Intervallen <hi rend="spaced-out">tönt</hi>. Ein Schrank kann „musikalisch“
<lb/>sein, wenn er ein „Spielwerk“ enthält. <lb/>sein, wenn er ein „Spielwerk“ enthält.
<note style="*-repeat" place="bottom" n="1">Die einzige Art Menschen, die man <hi rend="spaced-out">musikalisch</hi> nennen <note style="*-repeat" place="bottom" n="1">
<p>Die einzige Art Menschen, die man <hi rend="spaced-out">musikalisch</hi> nennen
<lb/>sollte, wären die Sänger; weil sie selbst erklingen können. In <lb/>sollte, wären die Sänger; weil sie selbst erklingen können. In
<lb/>derselben Weise könnte ein <hi rend="spaced-out">Clown</hi>, der durch einen Trick Töne <lb/>derselben Weise könnte ein <hi rend="spaced-out">Clown</hi>, der durch einen Trick Töne
<lb/>von sich gibt, sobald man ihn berührt, ein <hi rend="spaced-out">nachgemachter <lb/>von sich gibt, sobald man ihn berührt, ein <hi rend="spaced-out">nachgemachter
<lb/>musikalischer Mensch</hi> heißen.</note> <lb/>musikalischer Mensch</hi> heißen.</p></note>
Im vergleichen Im vergleichen
<lb/>den Sinne kann „musikalisch“ allenfalls noch wohl <lb/>den Sinne kann „musikalisch“ allenfalls noch wohl
...@@ -1127,22 +1131,26 @@ ...@@ -1127,22 +1131,26 @@
<p>Man ist so weit gegangen, ein Musikstück selbst <p>Man ist so weit gegangen, ein Musikstück selbst
<lb/>als „musikalisch“ zu bezeichnen, <lb/>als „musikalisch“ zu bezeichnen,
<note style="*-repeat" place="bottom" n="1"><quote>„Diese Kompositionen sind aber so musikalisch“</quote> sagte <note style="*-repeat" place="bottom" n="1">
<p><quote>„Diese Kompositionen sind aber so musikalisch“</quote> sagte
<lb/>mir einmal ein Geiger von einem vierhändigen Werkchen, das ich <lb/>mir einmal ein Geiger von einem vierhändigen Werkchen, das ich
<lb/>zu unbedeutend fand.</note> <lb/>zu unbedeutend fand.</p>
</note>
oder gar von einem oder gar von einem
<lb/>großen Komponisten wie <persName ref="#p0005">Berlioz</persName>, zu behaupten, er <lb/>großen Komponisten wie <persName ref="#p0005">Berlioz</persName>, zu behaupten, er
<lb/>wäre es nicht in genügendem Maße. <lb/>wäre es nicht in genügendem Maße.
<note style="*-repeat" place="bottom" n="2"><quote>„Mein Hund ist <hi rend="spaced-out">sehr</hi> musikalisch“</quote> habe ich allen Ernstes <note style="*-repeat" place="bottom" n="2">
<lb/>sagen gehört. Sollte der Hund über <persName ref="#p0005">Berlioz</persName> gestellt werden?</note> <p><quote>„Mein Hund ist <hi rend="spaced-out">sehr</hi> musikalisch“</quote> habe ich allen Ernstes
<lb/>sagen gehört. Sollte der Hund über <persName ref="#p0005">Berlioz</persName> gestellt werden?</p>
</note>
„Unmusikalisch“ „Unmusikalisch“
<lb/>ist der stärkste Tadel; er kennzeichnet den damit Be <lb/>ist der stärkste Tadel; er kennzeichnet den damit Be
<lb break="no"/>troffenen und macht ihn zum Geächteten. <lb break="no"/>troffenen und macht ihn zum Geächteten.
<note style="*-repeat" place="bottom" n="3">Ein Schicksal, das auch mich betroffen hat.</note> <note style="*-repeat" place="bottom" n="3"><p>Ein Schicksal, das auch mich betroffen hat.</p></note>
</p> </p>
...@@ -1222,7 +1230,7 @@ ...@@ -1222,7 +1230,7 @@
<lb/>Spielereien zu verlieren <lb/>Spielereien zu verlieren
<note style="*-repeat" place="bottom" n="1"> <note style="*-repeat" place="bottom" n="1">
Eine solche Spielerei unternahm ich einmal mit einem <p>Eine solche Spielerei unternahm ich einmal mit einem
<lb/>Freunde, um scherzeshalber festzustellen, wie viele von den ver <lb/>Freunde, um scherzeshalber festzustellen, wie viele von den ver
<lb/>breiteten Musikstücken nach dem Schema des zweiten Themas im <lb/>breiteten Musikstücken nach dem Schema des zweiten Themas im
<lb/>Adagio der <title ref="#w0005">IX. Symphonie </title> gebildet waren. In wenigen Augen <lb/>Adagio der <title ref="#w0005">IX. Symphonie </title> gebildet waren. In wenigen Augen
...@@ -1230,7 +1238,7 @@ ...@@ -1230,7 +1238,7 @@
<lb/>Gattung beisammen, darunter welche niederster Kunst. Und <lb/>Gattung beisammen, darunter welche niederster Kunst. Und
<lb/><persName ref="#p0001">Beethoven</persName> selbst. Ist das Thema des Finale der <rs ref="#w0009">„fünften“</rs> ein <lb/><persName ref="#p0001">Beethoven</persName> selbst. Ist das Thema des Finale der <rs ref="#w0009">„fünften“</rs> ein
<lb/>anderes als jenes womit die <rs ref="#w0008">„zweite“</rs> ihr Allegro ansagt? Und <lb/>anderes als jenes womit die <rs ref="#w0008">„zweite“</rs> ihr Allegro ansagt? Und
<lb/>als das Hauptmotiv des <title ref="#w0010">III. Klavier-Konzerts</title>, diesmal in Moll? – <lb/>als das Hauptmotiv des <title ref="#w0010">III. Klavier-Konzerts</title>, diesmal in Moll? –</p>
</note> </note>
enthalte ich mich jedes Beispiels.</p> enthalte ich mich jedes Beispiels.</p>
...@@ -1313,7 +1321,8 @@ ...@@ -1313,7 +1321,8 @@
<lb/>Klavier, bei welchem vielleicht „reine und unbrauchbare“ Intervalle <lb/>Klavier, bei welchem vielleicht „reine und unbrauchbare“ Intervalle
<lb/>entstanden sind, als <hi rend="spaced-out">unrein</hi> an. Das diplomatische Zwölfer- <lb/>entstanden sind, als <hi rend="spaced-out">unrein</hi> an. Das diplomatische Zwölfer-
<lb break="no"/>System ist ein notgedrungener Behelf und doch wachen wir über <lb break="no"/>System ist ein notgedrungener Behelf und doch wachen wir über
<lb/>die Wahrung seiner Unvollkommenheiten.</p></note> <lb/>die Wahrung seiner Unvollkommenheiten.</p>
</note>
</p> </p>
...@@ -1331,7 +1340,7 @@ ...@@ -1331,7 +1340,7 @@
<lb/>Was für ein gewaltsam beschränktes System diese erste <lb/>Was für ein gewaltsam beschränktes System diese erste
<lb/>Verworrenheit ergab, <lb/>Verworrenheit ergab,
<note style="*-repeat" place="bottom" n="1">Man nennt es „Harmonielehre“.</note> <note style="*-repeat" place="bottom" n="1"><p>Man nennt es „Harmonielehre“.</p></note>
steht in den Gesetzbüchern zu steht in den Gesetzbüchern zu
<lb/>lesen: wir wollen es nicht hier wiederholen.</p> <lb/>lesen: wir wollen es nicht hier wiederholen.</p>
...@@ -1781,7 +1790,7 @@ ...@@ -1781,7 +1790,7 @@
<lb/>Wette Sonnenstrahlen brechen; <hi rend="spaced-out">sie sei nichts <lb/>Wette Sonnenstrahlen brechen; <hi rend="spaced-out">sie sei nichts
<lb/>anderes, als die Natur in der menschlichen <lb/>anderes, als die Natur in der menschlichen
<lb/>Seele abgespiegelt und von ihr wieder zu <lb/>Seele abgespiegelt und von ihr wieder zu
<lb/>rückgestrahlt</hi>; ist sie doch tönende Luft und über <lb break="no"/>rückgestrahlt</hi>; ist sie doch tönende Luft und über
<lb/>die Luft hinaus reichend; im Menschen selbst ebenso <lb/>die Luft hinaus reichend; im Menschen selbst ebenso
<pb n="33" facs="entwurf1907_39.png"/> <pb n="33" facs="entwurf1907_39.png"/>
...@@ -1837,11 +1846,13 @@ ...@@ -1837,11 +1846,13 @@
Gut und Böse Gut und Böse
<note style="*-repeat" place="bottom" n="1">Hier macht sich <persName ref="#p0090">Nietzsche</persName> eines Widerspruchs schuldig <note style="*-repeat" place="bottom" n="1">
<p>Hier macht sich <persName ref="#p0090">Nietzsche</persName> eines Widerspruchs schuldig
<lb/>träumt er vorher von einer vielleicht „böseren“ Musik, so denkt <lb/>träumt er vorher von einer vielleicht „böseren“ Musik, so denkt
<lb/>er sich jetzt eine Musik, die „von Gut und Böse nichts mehr <lb/>er sich jetzt eine Musik, die „von Gut und Böse nichts mehr
<lb/>wüßte“; – doch war mir bei der Anführung, um den letzteren <lb/>wüßte“; – doch war mir bei der Anführung, um den letzteren
<lb/>Sinn zu tun.</note> <lb/>Sinn zu tun.</p>
</note>
nichts mehr wüßte, nur daß nichts mehr wüßte, nur daß
<lb/>vielleicht irgend ein Schiffer-Heimweh, irgend welche <lb/>vielleicht irgend ein Schiffer-Heimweh, irgend welche
...@@ -1880,11 +1891,12 @@ ...@@ -1880,11 +1891,12 @@
Nirwana“</quote> Nirwana“</quote>
<note style="*-repeat" place="bottom" n="1">Wie auf Verabredung schreibt mir dieser Tage <note style="*-repeat" place="bottom" n="1"><p>Wie auf Verabredung schreibt mir dieser Tage
<lb/><persName ref="#p0016">Mr. Vincent d’ Indy</persName> <quote xml:lang="fr">„.... laissant de côté les contingences <lb/><persName ref="#p0016">Mr. Vincent d’ Indy</persName> <quote xml:lang="fr">„.... laissant de côté les contingences
<lb/>et les petitesses de la vie pour regarder constamment vers <lb/>et les petitesses de la vie pour regarder constamment vers
<lb/>un id<choice><sic>e</sic><corr>é</corr></choice>al qu’on ne pourra jamais atteindre, mais dont il est <lb/>un id<choice><sic>e</sic><corr>é</corr></choice>al qu’on ne pourra jamais atteindre, mais dont il est
<lb/>permis de se rapprocher.“</quote></note> <lb/>permis de se rapprocher.“</quote></p>
</note>
<bibl>(<author><persName ref="#p0092">Kern</persName></author>, <title ref="#b0044">„Geschichte des Buddhismus in <bibl>(<author><persName ref="#p0092">Kern</persName></author>, <title ref="#b0044">„Geschichte des Buddhismus in
<lb/>Indien“</title>).</bibl></p> <lb/>Indien“</title>).</bibl></p>
...@@ -1896,10 +1908,11 @@ ...@@ -1896,10 +1908,11 @@
<lb/>Gewesene einzulassen. Jenseits der Pforte ertönt <lb/>Gewesene einzulassen. Jenseits der Pforte ertönt
<lb/><hi rend="spaced-out">Musik</hi>. Keine Tonkunst. <lb/><hi rend="spaced-out">Musik</hi>. Keine Tonkunst.
<note style="*-repeat" place="bottom" n="2">Ich glaube gelesen zu haben, daß <persName ref="#p0013"><hi rend="spaced-out">Liszt</hi></persName> seine <title ref="#w0056">Dante- <note style="*-repeat" place="bottom" n="2"><p>Ich glaube gelesen zu haben, daß <persName ref="#p0013"><hi rend="spaced-out">Liszt</hi></persName> seine <title ref="#w0056">Dante-
<lb break="no"/>Symphonie</title> auf die beiden Sätze »Inferno« und »Purgatorio« be <lb break="no"/>Symphonie</title> auf die beiden Sätze »Inferno« und »Purgatorio« be
<lb break="no"/>schränkte, <quote><hi rend="spaced-out">weil unsere Tonsprache für die Seligkeiten <lb break="no"/>schränkte, <quote><hi rend="spaced-out">weil unsere Tonsprache für die Seligkeiten
<lb/>des Paradieses nicht ausreichte</hi>.“</quote></note> <lb/>des Paradieses nicht ausreichte</hi>.“</quote></p>
</note>
– Vielleicht, daß wir erst – Vielleicht, daß wir erst
<lb/>selbst die Erde verlassen müßen, um sie zu finden. <lb/>selbst die Erde verlassen müßen, um sie zu finden.
......
...@@ -303,8 +303,10 @@ ...@@ -303,8 +303,10 @@
<lb/>geworden; sie haben durch Jahrtausende den Weg gefunden <lb/>geworden; sie haben durch Jahrtausende den Weg gefunden
<lb/>und beschreiben, wie ein Planet, regelmäßig ihren Kreis. <lb/>und beschreiben, wie ein Planet, regelmäßig ihren Kreis.
<note place="bottom" n="1">Dessenungeachtet können und werden an ihnen Geschmack und <note place="bottom" n="1">
<lb/>Eigenschaft sich immer verjüngen und erneuern. –</note> <p>Dessenungeachtet können und werden an ihnen Geschmack und
<lb/>Eigenschaft sich immer verjüngen und erneuern. –</p>
</note>
</p> </p>
<p>Ihnen gegenüber ist die Tonkunst das Kind, das zwar <p>Ihnen gegenüber ist die Tonkunst das Kind, das zwar
...@@ -330,10 +332,11 @@ ...@@ -330,10 +332,11 @@
<lb/>noch unabsehbaren Entwicklung, und wir sprechen von Klas <lb/>noch unabsehbaren Entwicklung, und wir sprechen von Klas
<lb break="no"/>sikern und geheiligten Traditionen! <lb break="no"/>sikern und geheiligten Traditionen!
<note place="bottom" n="2">„Tradition“ <note place="bottom" n="2">
<p>„Tradition“
<lb/>ist die nach dem Leben abgenommene Gipsmaske, die – durch den <lb/>ist die nach dem Leben abgenommene Gipsmaske, die – durch den
<lb/>Lauf vieler Jahre und die Hände ungezählter Handwerker gegangen – <lb/>Lauf vieler Jahre und die Hände ungezählter Handwerker gegangen –
<lb/>schließlich ihre Ähnlichkeit mit dem Original nur mehr erraten läßt. <lb/>schließlich ihre Ähnlichkeit mit dem Original nur mehr erraten läßt.</p>
</note> </note>
Spricht doch bereits Spricht doch bereits
...@@ -535,8 +538,10 @@ ...@@ -535,8 +538,10 @@
<lb/>(dem Architektonisch Entgegenstehenden), von Eingebungen, <lb/>(dem Architektonisch Entgegenstehenden), von Eingebungen,
<lb/>die man „Mensch und Natur“ überschreiben möchte; <lb/>die man „Mensch und Natur“ überschreiben möchte;
<note place="bottom" n="1">Seine Passions<pc>=</pc>Rezitative haben das „Menschlich<pc>=</pc>Redende“, nicht <note place="bottom" n="1">
<lb/>„Richtig<pc>=</pc>Deklamierte“.</note> <p>Seine Passions<pc>=</pc>Rezitative haben das „Menschlich<pc>=</pc>Redende“, nicht
<lb/>„Richtig<pc>=</pc>Deklamierte“.</p>
</note>
bei bei
...@@ -550,7 +555,7 @@ ...@@ -550,7 +555,7 @@
<p>Darum sind <persName ref="#p0012">Bach</persName> und <persName ref="#p0001">Beethoven</persName> <p>Darum sind <persName ref="#p0012">Bach</persName> und <persName ref="#p0001">Beethoven</persName>
<note place="bottom" n="1">Als die charakteristischen Merkmale von <persName ref="#p0001">Beethovens</persName> Persönlichkeit <note place="bottom" n="1"><p>Als die charakteristischen Merkmale von <persName ref="#p0001">Beethovens</persName> Persönlichkeit
<lb/>möchte ich nennen: den dichterischen Schwung, die starke menschliche Emp <lb/>möchte ich nennen: den dichterischen Schwung, die starke menschliche Emp
<lb break="no"/>findung (aus welcher seine revolutionäre Gesinnung entspringt) und <lb break="no"/>findung (aus welcher seine revolutionäre Gesinnung entspringt) und
<lb/>eine Vorverkündung des modernen Nervosismus. Diese Merkmale sind <lb/>eine Vorverkündung des modernen Nervosismus. Diese Merkmale sind
...@@ -559,7 +564,8 @@ ...@@ -559,7 +564,8 @@
<lb/>kein „Meister“ im Sinne <persName ref="#p0010">Mozarts</persName> oder des späteren <lb/>kein „Meister“ im Sinne <persName ref="#p0010">Mozarts</persName> oder des späteren
<persName ref="#p0006">Wagner</persName>, eben <persName ref="#p0006">Wagner</persName>, eben
<lb/>weil seine Kunst die Andeutung einer größeren, noch nicht vollkommen <lb/>weil seine Kunst die Andeutung einer größeren, noch nicht vollkommen
<lb/>gewordenen, ist. <ref target="#entwurf1916-abs10">(Man vergleiche den nächstfolgenden Absatz.)</ref></note> <lb/>gewordenen, ist. <ref target="#entwurf1916-abs10">(Man vergleiche den nächstfolgenden Absatz.)</ref></p>
</note>
als ein Anfang als ein Anfang
<lb/>aufzufassen und nicht als unzuübertreffende Abgeschlossen <lb/>aufzufassen und nicht als unzuübertreffende Abgeschlossen
...@@ -642,14 +648,15 @@ ...@@ -642,14 +648,15 @@
<lb break="no"/>tern, Blüten, Früchten, Wuchs und Farben voneinander <lb break="no"/>tern, Blüten, Früchten, Wuchs und Farben voneinander
<lb/>abweichend. <lb/>abweichend.
<note place="bottom" n="1"><quote rend="antiqua">»– – – <persName ref="#p0001">Beethoven</persName>, dont les esquisses thématiques ou élémentaires <note place="bottom" n="1">
<p><quote rend="antiqua">»– – – <persName ref="#p0001">Beethoven</persName>, dont les esquisses thématiques ou élémentaires
<lb/>sont innombrables, mais qui, sitôt les thèmes trouv<choice><sic>e</sic><corr>é</corr></choice>s, semble par cela <lb/>sont innombrables, mais qui, sitôt les thèmes trouv<choice><sic>e</sic><corr>é</corr></choice>s, semble par cela
<lb/>même en avoir établi tout le développement –«</quote> <lb/>même en avoir établi tout le développement –«</quote>
<lb/> <lb/>
<bibl> <bibl>
<author><persName ref="#p0016">Vincent d’Indy</persName></author> in <author><persName ref="#p0016">Vincent d’Indy</persName></author> in
<title ref="#w0050"><persName ref="#p0015">César Franck</persName>“.</title> <title ref="#w0050"><persName ref="#p0015">César Franck</persName>“.</title>
</bibl> </bibl></p>
</note> </note>
</p> </p>
...@@ -703,7 +710,9 @@ ...@@ -703,7 +710,9 @@
<lb break="no"/>sichtigt. Bewegung und Ruhe, Moll und Dur, Hoch und <lb break="no"/>sichtigt. Bewegung und Ruhe, Moll und Dur, Hoch und
<lb/>Tief <lb/>Tief
<note place="bottom" n="1">Vergleiche <ref target="#entwurf1916-abs29">später die Sätze über die „Tiefe“.</ref></note> <note place="bottom" n="1">
<p>Vergleiche <ref target="#entwurf1916-abs29">später die Sätze über die „Tiefe“.</ref></p>
</note>
in ihrer herkömmlichen Bedeutung ergänzen das in ihrer herkömmlichen Bedeutung ergänzen das
<lb/>Inventar. Das sind gut verwendbare Nebenhilfsmittel in <lb/>Inventar. Das sind gut verwendbare Nebenhilfsmittel in
...@@ -791,8 +800,10 @@ ...@@ -791,8 +800,10 @@
<lb/>Bühne, um die sich die Musik nicht zu kümmern braucht. <lb/>Bühne, um die sich die Musik nicht zu kümmern braucht.
<lb/>Nehmen wir die theatralische Situation, <lb/>Nehmen wir die theatralische Situation,
<note place="bottom" n="1">Aus <persName ref="#p0020">Offenbachs</persName> <note place="bottom" n="1">
<title ref="#w0051">„Les contes d’Hoffmann“</title>.</note> <p>Aus <persName ref="#p0020">Offenbachs</persName>
<title ref="#w0051">„Les contes d’Hoffmann“</title>.</p>
</note>
daß eine lustige daß eine lustige
<lb/>nächtliche Gesellschaft sich singend entfernt und dem Auge <lb/>nächtliche Gesellschaft sich singend entfernt und dem Auge
...@@ -1107,7 +1118,7 @@ ...@@ -1107,7 +1118,7 @@
ändert; und es gilt die Veränderung, obwohl sie das Original bearbeitet. ändert; und es gilt die Veränderung, obwohl sie das Original bearbeitet.
<note place="bottom" n="1">Eine Einleitung <rs ref="#p0017">des Verfassers</rs> zu einem Berliner Konzerte vom <note place="bottom" n="1"><p>Eine Einleitung <rs ref="#p0017">des Verfassers</rs> zu einem Berliner Konzerte vom
<lb/><date when-iso="1910-11">November 1910</date> <lb/><date when-iso="1910-11">November 1910</date>
<note resp="#christian.schaper">### 7.11.1910, 3. Nikisch-Konzert, Busoni spielte Beethoven 5. Konzert und Liszt Spanische Rhapsodie; siehe Programm-Buch, S. 23–28, Busoni-Nachlass E 1910, 7 ###</note> <note resp="#christian.schaper">### 7.11.1910, 3. Nikisch-Konzert, Busoni spielte Beethoven 5. Konzert und Liszt Spanische Rhapsodie; siehe Programm-Buch, S. 23–28, Busoni-Nachlass E 1910, 7 ###</note>
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<lb/>Kritik gegen die Übersetzung des <title ref="#w0002">Don Giovanni</title> ins Deutsche sich <lb/>Kritik gegen die Übersetzung des <title ref="#w0002">Don Giovanni</title> ins Deutsche sich
<lb/>gewehrt hätte; wenngleich eine Übersetzung überhaupt (bei diesem <lb/>gewehrt hätte; wenngleich eine Übersetzung überhaupt (bei diesem
<lb/>Meisterwerk des Zusammengusses von Text und Musik nun besonders) <lb/>Meisterwerk des Zusammengusses von Text und Musik nun besonders)
<lb/>als eine der bedenklichsten Bearbeitungen sich herausstellt.</note></p> <lb/>als eine der bedenklichsten Bearbeitungen sich herausstellt.</p>
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</div> </div>
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<lb/>Intervallen tönt. Ein Schrank kann „musikalisch“ sein, <lb/>Intervallen tönt. Ein Schrank kann „musikalisch“ sein,
<lb/>wenn er ein „Spielwerk“ enthält. <lb/>wenn er ein „Spielwerk“ enthält.
<note place="bottom" n="1">Die einzige Art Menschen, die man musikalisch nennen sollte, wären <note place="bottom" n="1">
<p>Die einzige Art Menschen, die man musikalisch nennen sollte, wären
<lb/>die Sänger, weil sie selbst erklingen können. In derselben Weise könnte <lb/>die Sänger, weil sie selbst erklingen können. In derselben Weise könnte
<lb/>ein Clown, der durch einen Trick Töne von sich gibt, sobald man ihn <lb/>ein Clown, der durch einen Trick Töne von sich gibt, sobald man ihn
<lb/>berührt, ein nachgemachter <lb/>berührt, ein nachgemachter
musikalischer Mensch heißen.</note> musikalischer Mensch heißen.</p>
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Im vergleichenden Im vergleichenden
<lb/>Sinne kann „musikalisch“ allenfalls noch wohllautend be <lb/>Sinne kann „musikalisch“ allenfalls noch wohllautend be
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<p>Man ist so weit gegangen, ein Musikstück selbst als „musi <p>Man ist so weit gegangen, ein Musikstück selbst als „musi
<lb break="no"/>kalisch“ zu bezeichnen, <lb break="no"/>kalisch“ zu bezeichnen,
<note place="bottom" n="1"><quote>„Diese Kompositionen sind aber so musikalisch“</quote>, sagte mir einmal <note place="bottom" n="1">
<p><quote>„Diese Kompositionen sind aber so musikalisch“</quote>, sagte mir einmal
<lb/>ein Geiger von einem vierhändigen Werkchen, das ich zu unbedeutend <lb/>ein Geiger von einem vierhändigen Werkchen, das ich zu unbedeutend
<lb/>fand.</note> <lb/>fand.</p>
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oder gar von einem großen Kom oder gar von einem großen Kom
<lb break="no"/>ponisten wie <persName ref="#p0005">Berlioz</persName> zu behaupten, er wäre es nicht in ge <lb break="no"/>ponisten wie <persName ref="#p0005">Berlioz</persName> zu behaupten, er wäre es nicht in ge
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<lb break="no"/>zustellen, und nicht, Gesetzen zu folgen. Wer gegebenen Ge <lb break="no"/>zustellen, und nicht, Gesetzen zu folgen. Wer gegebenen Ge
<lb break="no"/>setzen folgt, hört auf, ein Schaffender zu sein. <lb break="no"/>setzen folgt, hört auf, ein Schaffender zu sein.
<note place="bottom" n="1">Der einem nachgeht, überholt ihn nicht, soll <persName ref="#p0007">Michelangelo</persName> ge <note place="bottom" n="1">
<p>Der einem nachgeht, überholt ihn nicht, soll <persName ref="#p0007">Michelangelo</persName> ge
<lb break="no"/>sagt haben. Und über die nützliche Anwendung der „Kopien“ äußert <lb break="no"/>sagt haben. Und über die nützliche Anwendung der „Kopien“ äußert
<lb/>sich noch viel drastischer ein italienischer Spruch. <lb/>sich noch viel drastischer ein italienischer Spruch.</p>
<note resp="#christian.schaper">### was ist das für ein Spruch? ###</note> <note resp="#christian.schaper">### was ist das für ein Spruch? ###</note>
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<lb/>Um nicht mich hier in Spielereien zu verlieren <lb/>Um nicht mich hier in Spielereien zu verlieren
<note place="bottom" n="1"> <note place="bottom" n="1">
Eine solche Spielerei unternahm ich einmal mit einem Freunde, um <p>Eine solche Spielerei unternahm ich einmal mit einem Freunde, um
<lb/>scherzeshalber festzustellen, wie viele von den verbreiteten Musikstücken <lb/>scherzeshalber festzustellen, wie viele von den verbreiteten Musikstücken
<lb/>nach dem Schema des zweiten Themas im Adagio der <title ref="#w0005">Neunten Sym <lb/>nach dem Schema des zweiten Themas im Adagio der <title ref="#w0005">Neunten Sym
<lb break="no"/>phonie </title> gebildet waren. In wenigen Augenblicken hatten wir an fünf <lb break="no"/>phonie </title> gebildet waren. In wenigen Augenblicken hatten wir an fünf
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niederster Kunst. Und <persName ref="#p0001">Beethoven</persName> niederster Kunst. Und <persName ref="#p0001">Beethoven</persName>
selbst. Ist das Thema des Finale der selbst. Ist das Thema des Finale der
<lb/><rs ref="#w0009">„fünften“</rs> ein anderes als jenes, womit die <rs ref="#w0008">„zweite“</rs> ihr Allegro ansagt? <lb/><rs ref="#w0009">„fünften“</rs> ein anderes als jenes, womit die <rs ref="#w0008">„zweite“</rs> ihr Allegro ansagt?
<lb/>Und als das Hauptmotiv des <title ref="#w0010">dritten Klavierkonzerts</title>, diesmal in Moll? – <lb/>Und als das Hauptmotiv des <title ref="#w0010">dritten Klavierkonzerts</title>, diesmal in Moll? –</p>
</note>, </note>,
enthalte enthalte
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<lb/>die eben nicht anders sich gebärden können, als es in ihrer <lb/>die eben nicht anders sich gebärden können, als es in ihrer
<lb/>Beschränkung liegt; <lb/>Beschränkung liegt;
<note place="bottom" n="1">Und das ist das Siegreiche in <persName ref="p0001">Beethoven</persName>, daß er von allen „mo <note place="bottom" n="1">
<p>Und das ist das Siegreiche in <persName ref="p0001">Beethoven</persName>, daß er von allen „mo
<lb break="no"/>dernen“ Tondichtern am wenigsten den Forderungen der Instrumente <lb break="no"/>dernen“ Tondichtern am wenigsten den Forderungen der Instrumente
<lb/>nachgab. Hingegen ist es nicht zu leugnen, daß <persName ref="#p0006">Wagner</persName> einen „Po <lb/>nachgab. Hingegen ist es nicht zu leugnen, daß <persName ref="#p0006">Wagner</persName> einen „Po
<lb break="no"/>saunensatz“ geprägt hat, der – seit ihm – in den Partituren ständige <lb break="no"/>saunensatz“ geprägt hat, der – seit ihm – in den Partituren ständige
<lb/>Wohnung nahm.</note> <lb/>Wohnung nahm.</p>
</note>
dazu gesellt sich die Manieriertheit dazu gesellt sich die Manieriertheit
<lb/>der Instrumentalisten in der Behandlung ihres Instrumen <lb/>der Instrumentalisten in der Behandlung ihres Instrumen
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</cit> </cit>
<note resp="#christian.schaper">### s.v. Temperatur, 6. Auflage 1905, S. 1316, https://archive.org/stream/musiklexikon02riemgoog#page/n1334/mode/2up ###</note> <note resp="#christian.schaper">### s.v. Temperatur, 6. Auflage 1905, S. 1316, https://archive.org/stream/musiklexikon02riemgoog#page/n1334/mode/2up ###</note>
<lb/>So haben wir durch <persName ref="#p0011">Andreas Werkmeister</persName>, diesem Werkmeister in <p>So haben wir durch <persName ref="#p0011">Andreas Werkmeister</persName>, diesem Werkmeister in
<lb/>der Kunst, das „Zwölfhalbtonsystem“ mit lauter unreinen, aber leidlich <lb/>der Kunst, das „Zwölfhalbtonsystem“ mit lauter unreinen, aber leidlich
<lb/>brauchbaren Intervallen gewonnen. Was ist aber rein und was un <lb/>brauchbaren Intervallen gewonnen. Was ist aber rein und was un
<lb break="no"/>rein? Unser Ohr hört ein verstimmtes Klavier, bei welchem vielleicht <lb break="no"/>rein? Unser Ohr hört ein verstimmtes Klavier, bei welchem vielleicht
<lb/>„reine und brauchbare“ Intervalle entstanden sind, als unrein an. <lb/>„reine und brauchbare“ Intervalle entstanden sind, als unrein an.
<lb/>Das diplomatische Zwölfersystem ist ein notgedrungener Behelf,