Commit 5392f310 authored by Christian Schaper's avatar Christian Schaper
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Texterfassung und Element-Auszeichnung vorläufig abgeschlossen

parent b5092638
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<revisionDesc status="unfinished">
<change when-iso="2015-12-08" who="#christian.schaper">Revisionselement hinzugefügt
und revisionDesc auf status="unfinished" gesetzt.</change>
<change when-iso="2016-08-15" who="#christian.schaper">Texterfassung und Element-Auszeichnung abgeschlossen.</change>
</revisionDesc>
</teiHeader>
<text xml:lang="de">
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<lb/>Das heißt: eine oder die andere Seite des Gefühls wird
<lb/>zu der einen oder der anderen Zeit bevorzugt, einseitig ge
<lb break="no"/>pflegt, besonders herausgekehrt.</p>
<p>So war mit und nach <persName ref="#p0006">Wagner</persName> eine schwelgerische Sinn
<lb break="no"/>lichkeit an die Reihe gekommen: die Form der „Steigerung“
<lb/>im Affekt haben die Komponisten noch heute nicht über
......@@ -1372,7 +1373,7 @@
<lb/>sich noch viel drastischer ein italienischer Spruch.
<note resp="#christian.schaper">### was ist das für ein Spruch? ###</note>
</note>
</p>
......@@ -1654,9 +1655,9 @@
<cit>
<q>„Die gleichschwebende zwölfstufige Temperatur, welche bereits seit
<lb/>ca. <date when-iso="1500">1500</date> theoretisch erörtert, aber erst kurz vor <date when-iso="1700">1700</date> prinzipiell auf
<lb break="no"/>gestellt wurde (durch <persName ref="#p0011">Andreas Werkmeister</persName>), teilt die Oktave in zwölf
<lb/>gleiche Teile (Halbtöne, daher „Zwölfhalbtonsystem“) und gewinnt da
<lb break="no"/>mit Mittelwerte, welche kein Intervall wirklich rein, aber alle leidlich
<lb break="no"/>gestellt wurde (durch <persName ref="#p0011">Andreas Werkmeister</persName>), teilt die Oktave in zwölf
<lb/>gleiche Teile (Halbtöne, daher „Zwölfhalbtonsystem“) und gewinnt da
<lb break="no"/>mit Mittelwerte, welche kein Intervall wirklich rein, aber alle leidlich
<lb/>brauchbar intonieren.“</q>
<bibl>(<author><persName ref="#p0088">Riemann</persName></author>, <title>Musiklexikon</title>)</bibl>
</cit>
......@@ -1953,54 +1954,61 @@
<lb/>Töne zu erzeugen sind. Es trifft sich glücklich, daß ich während
<lb/>der Arbeit an diesem Aufsatz eine direkte und authentische
<lb/>Nachricht aus Amerika erhalte, welche die Frage in einfacher
<lb/>Weise löst. Es ist die Mitteilung von Dr. Thaddeus Cahills Erfindung.
<lb/>Weise löst. Es ist die Mitteilung von <persName ref="#p0018"><hi rend="antiqua">Dr.</hi> Thaddeus Cahills</persName> Erfindung.
<note place="bottom" n="1">
<q type="written" source="Mc. Clure’s Magazine, Vol. XXVII, No. 3, July 1906">„New Music for an old World. Dr. Thaddeus Cahills Dyna
<lb break="no"/>mophone, an extraordinary electrical Invention for producing scienti=
<lb break="no"/>fically perfect music by Ray Stannard Bakee.“</q>
<q>Über diesen transzendentalen Tonerzeuger berichtet Mr. Baker des
<lb/>weiteren: … Die Wahrnehmung der Unvollkommenheit der Ton
<lb break="no"/>gebung bei allen Instrumenten führte Dr. Cahill zum Nachdenken.
<lb/>Material, Indisposition, Temperatur, klimatische Zustände beeinträch
<lb break="no"/>tigen die Zuverlässigkeit eines jeden. Der Klavierspieler verliert die
<lb/>Macht über den absterbenden Klang der Saite von dem Augenblick an,
<lb/>wo die Taste angeschlagen wurde. Auf der Orgel kann die Empfindung
<lb/>an der festgehaltenen Note nichts ändern. Dr. Cahill ersann die Idee
<lb/>eines Instruments, welches dem Spieler die absolute Kontrolle über
<lb/>jeden zu erzeugenden Ton und über dessen Ausdruck gewährte. Er
<lb/>nahm sich die Theorien Helmholtz’ zum Vorbild, die ihn lehrten, daß
<lb/>die Verhältnisse der Zahl und der Stärke der Obertöne zum Grund
<lb break="no"/>ton den Ausschlag über den Klangcharakter der verschiedenen Instrumente
<lb/>geben. Demnach konstruierte er zu dem Apparat, welcher den Grund
<lb break="no"/>ton schwingen läßt, eine Anzahl supplementärer Apparate, von welchen
<lb/>jeder einen der Obertöne erzeugt, und konnte solche in beliebiger An
<lb break="no"/>ordnung und Stärke dem Grundton zuhäufen. So ist jeder Klang einer
<lb/>mannigfaltigsten Charakterisierung fähig, sein Ausdruck auf das emp
<lb break="no"/>findlichste dynamisch zu regeln, die Stärke vom fast unhörbaren Pia
<lb break="no"/>nissimo bis zur unerträglichen Lautmacht zu produzieren. Und weil das
<pb sameAs="#pb_n45"/>
<lb/>Instrument von einer Klaviatur aus gehandhabt wird, bleibt ihm die
<lb/>Fähigkeit bewahrt, der Eigenart eines Künstlers zu folgen.
<lb/>Eine Reihe solcher Klaviaturen, von mehreren Spielern gespielt, kann
<lb/>zu einem Orchester zusammengestellt werden.
<lb/>Der Bau des Instrumentes ist außerordentlich umfangreich und kost=
<lb break="no"/>spielig, und sein praktischer Wert müßte mit Recht angezweifelt werden.
<lb/>Zum Vermittler der Schwingungen zwischen dem elektrischen Strom
<lb/>und der Luft wählte der Erfinder das Telephon-Diaphragma. Durch
<lb/>diesen glücklichen Einfall ist es möglich geworden, von einer Zentralstelle
<lb/>aus nach allen den mit Drähten verbundenen Plätzen selbst auf große
<lb/>Entfernungen hin, die Klänge des Apparates zu versenden; und ge
<lb/>lungene Experimente haben erwiesen, daß auf diesem Wege weder von
<lb/>den Feinheiten noch von der Macht der Töne etwas eingebüßt wird.
<lb/>Der in Verbindung stehende Raum wird zauberhaft mit Klang er
<lb break="no"/>füllt, einem wissenschaftlich vollkommenen, niemals versagenden Klang;
<lb/>unsichtbar, mühelos und unermüdlich. Dem Bericht, dem ich diese Nach=
<lb break="no"/>richten entnehme, sind authentische Photographien des Apparates bei
<lb break="no"/>gegeben, welche jeden Zweifel über die Wirklichkeit dieser allerdings
<lb/>fast unglaublichen Schöpfung beseitigen. Der Apparat sieht aus wie
<lb/>ein Maschinenraum.</q>
<p>
<hi rend="antiqua">
»<bibl><title>New Music for an old World. <persName ref="#p0018">Dr. Thaddeus Cahills</persName> Dyna
<lb break="no"/>mophone, an extraordinary electrical Invention for producing scienti
<lb break="no"/>fically perfect music</title> by <author><persName ref="#p0089">Ray Stannard Baker</persName></author>«. Mc. Clure’s Magzine, July 1906. Vol. XXVII, No. 3.</bibl>
</hi>
</p>
<quote>
<p>Über diesen transzendentalen Tonerzeuger berichtet <persName ref="#p0089">Mr. Baker</persName> des
<lb/>weiteren: … Die Wahrnehmung der Unvollkommenheit der Ton
<lb break="no"/>gebung bei allen Instrumenten führte <persName ref="#p0018"><hi rend="antiqua">Dr.</hi> Cahill</persName> zum Nachdenken.
<lb/>Material, Indisposition, Temperatur, klimatische Zustände beeinträch
<lb break="no"/>tigen die Zuverlässigkeit eines jeden. Der Klavierspieler verliert die
<lb/>Macht über den absterbenden Klang der Saite von dem Augenblick an,
<lb/>wo die Taste angeschlagen wurde. Auf der Orgel kann die Empfindung
<lb/>an der festgehaltenen Note nichts ändern. <persName ref="#p0018"><hi rend="antiqua">Dr.</hi> Cahill</persName> ersann die Idee
<lb/>eines Instruments, welches dem Spieler die absolute Kontrolle über
<lb/>jeden zu erzeugenden Ton und über dessen Ausdruck gewährte. Er
<lb/>nahm sich die Theorien Helmholtz’ zum Vorbild, die ihn lehrten, daß
<lb/>die Verhältnisse der Zahl und der Stärke der Obertöne zum Grund
<lb break="no"/>ton den Ausschlag über den Klangcharakter der verschiedenen Instrumente
<lb/>geben. Demnach konstruierte er zu dem Apparat, welcher den Grund
<lb break="no"/>ton schwingen läßt, eine Anzahl supplementärer Apparate, von welchen
<lb/>jeder einen der Obertöne erzeugt, und konnte solche in beliebiger An
<lb break="no"/>ordnung und Stärke dem Grundton zuhäufen. So ist jeder Klang einer
<lb/>mannigfaltigsten Charakterisierung fähig, sein Ausdruck auf das emp
<lb break="no"/>findlichste dynamisch zu regeln, die Stärke vom fast unhörbaren Pia
<lb break="no"/>nissimo bis zur unerträglichen Lautmacht zu produzieren. Und weil das
<pb sameAs="#pb_n45"/>
<lb/>Instrument von einer Klaviatur aus gehandhabt wird, bleibt ihm die
<lb/>Fähigkeit bewahrt, der Eigenart eines Künstlers zu folgen.</p>
<p>Eine Reihe solcher Klaviaturen, von mehreren Spielern gespielt, kann
<lb/>zu einem Orchester zusammengestellt werden.</p>
<p>Der Bau des Instrumentes ist außerordentlich umfangreich und kost
<lb break="no"/>spielig, und sein praktischer Wert müßte mit Recht angezweifelt werden.
<lb/>Zum Vermittler der Schwingungen zwischen dem elektrischen Strom
<lb/>und der Luft wählte der Erfinder das Telephon-Diaphragma. Durch
<lb/>diesen glücklichen Einfall ist es möglich geworden, von einer Zentralstelle
<lb/>aus nach allen den mit Drähten verbundenen Plätzen selbst auf große
<lb/>Entfernungen hin, die Klänge des Apparates zu versenden; und ge
<lb/>lungene Experimente haben erwiesen, daß auf diesem Wege weder von
<lb/>den Feinheiten noch von der Macht der Töne etwas eingebüßt wird.
<lb/>Der in Verbindung stehende Raum wird zauberhaft mit Klang er
<lb break="no"/>füllt, einem wissenschaftlich vollkommenen, niemals versagenden Klang;
<lb/>unsichtbar, mühelos und unermüdlich. Dem Bericht, dem ich diese Nach
<lb break="no"/>richten entnehme, sind authentische Photographien des Apparates bei
<lb break="no"/>gegeben, welche jeden Zweifel über die Wirklichkeit dieser allerdings
<lb/>fast unglaublichen Schöpfung beseitigen. Der Apparat sieht aus wie
<lb/>ein Maschinenraum.</p>
</quote>
</note>
Dieser Mann hat einen umfangreichen Appa
......@@ -2049,9 +2057,9 @@
<div xml:id="entwurf1916-abs45">
<p>In seinem Buche „Jenseits von Gut und Böse“ sagt Nietzsche:</p>
<p>In seinem Buche <title ref="#w0054">„Jenseits von Gut und Böse“</title> sagt <persName ref="#p0090">Nietzsche</persName>:</p>
<q>
<quote>
<p>„Gegen die deutsche Musik halte ich mancherlei Vorsicht
<lb/>für geboten. Gesetzt, daß man den Süden liebt, wie ich
<lb/>ihn liebe, als eine große Schule der Genesung, im Geistig
......@@ -2082,7 +2090,7 @@
<p>Ich könnte mir eine Musik denken, deren seltenster Zauber
<lb/>darin bestände, daß sie von Gut und Böse
<note place="bottom" n="1">Hier macht sich Nietzsche eines Widerspruchs schuldig; träumt er
<note place="bottom" n="1">Hier macht sich <persName ref="#p0090">Nietzsche</persName> eines Widerspruchs schuldig; träumt er
<lb/>vorher von einer vielleicht „böseren“ Musik, so denkt er sich jetzt eine
<lb/>Musik, die „von Gut und Böse nichts mehr wüßte“; – doch war mir
<lb/>bei der Anführung um den letzteren Sinn zu tun.</note>
......@@ -2095,33 +2103,33 @@
<lb/>gewordenen moralischen Welt zu sich flüchten sähe, und die
<lb/>gastfreundlich und tief genug zum Empfang solcher späten
<lb/>Flüchtlinge wäre …“</p>
</q>
</quote>
<p>Und Tostoi läßt einen landschaftlichen Eindruck zu Musikempfindung werden,
wenn er in „Luzern“ schreibt:
<p>Und <persName ref="#p0091">Tolstoi</persName> läßt einen landschaftlichen Eindruck zu Musikempfindung werden,
wenn er in <title ref="#w0055">„Luzern“</title> schreibt:
<q>„Weder auf dem See, noch an den Bergen, noch am
<quote>„Weder auf dem See, noch an den Bergen, noch am
<lb/>Himmel eine einzige gerade Linie, eine einzige ungemischte
<lb/>Farbe, ein riesiger Ruhepunkt – überall Bewegung, Un
<lb break="no"/>regelmäßigkeit, Willkür, Mannigfaltigkeit, unaufhörliches
<lb/>Ineinanderfließen von Schatten und Linien, und in allem
<lb/>die Ruhe, Weichheit, Harmonie und Notwendigkeit des
<lb/>Schönen.“</q>
<lb/>Schönen.“</quote>
<pb n="48" facs="entwurf1916_50.png"/>
Wird diese Musik jemals erreicht?</p>
<p><q>„Nicht alle erreichen das Nirwana; aber jener, der von
<p><quote>„Nicht alle erreichen das Nirwana; aber jener, der von
<lb/>Anfang an begabt, alles kennenlernt, was man kennen
<lb/>soll, alles durchlebt, was man durchleben soll, verläßt, was
<lb/>man verlassen soll, entwickelt, was man entwickeln soll,
<lb/>verwirklicht, was man verwirklichen soll, der gelangt zum
<lb/>Nirwana."</q>
<lb/>Nirwana.</quote>
<note place="bottom" n="1">Wie auf Verabredung schreibt mir dieser Tage (1906) Mr. Vincent d’Indy ».... laissant de côté les contingences et les petitesses de la vie pour regarder constamment vers un idéal, qu’on ne pourra jamais atteindre, mais dont il est permis de se rapprocher.« –</note>
<note place="bottom" n="1">Wie auf Verabredung schreibt mir dieser Tage (<date when-iso="1906">1906</date>) <persName ref="#p0016">Mr. Vincent d’Indy</persName> <quote xml:lang="fr" rend="antiqua">».... laissant de côté les contingences et les petitesses de la vie pour regarder constamment vers un idéal, qu’on ne pourra jamais atteindre, mais dont il est permis de se rapprocher.«</quote></note>
(Kern, „Geschichte des Buddhismus in Indien“).</p>
<bibl>(<author><persName ref="#p0092">Kern</persName></author>, <title ref="#b0044">„Geschichte des Buddhismus in Indien“</title>).</bibl></p>
<p>Ist Nirwana das Reich „Jenseits von Gut und Böse“,
<lb/>so ist hier ein Weg dahin gewiesen. Bis an die Pforte.
......@@ -2130,9 +2138,9 @@
<lb break="no"/>seits der Pforte ertönt Musik. Keine Tonkunst.
<note place="bottom" n="2">Ich
<lb/>glaube gelesen zu haben, daß Liszt seine Dante-Symphonie auf die
<lb/>beiden Sätze »Inferno« und »Purgatorio« beschränkte, „weil unsere
<lb/>Tonsprache für die Seligkeiten des Paradieses nicht ausreichte.“</note>
<lb/>glaube gelesen zu haben, daß <persName ref="#p0013">Liszt</persName> seine <title ref="#w0056"><hi rend="antiqua">Dante</hi><pc>=</pc>Symphonie</title> auf die
<lb/>beiden Sätze <hi rend="antiqua">»Inferno«</hi> und <hi rend="antiqua">»Purgatorio«</hi> beschränkte, <quote>„weil unsere
<lb/>Tonsprache für die Seligkeiten des Paradieses nicht ausreichte.“</quote></note>
<lb/>Vielleicht, daß wir erst selbst die Erde verlassen müssen, um
......
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