Commit 9ae97424 authored by busoni-nachlass-student's avatar busoni-nachlass-student
Browse files

Formatierung vorgenommen

parent 012adf33
......@@ -252,7 +252,7 @@
<correspAction type="sent">
<persName ref="http://d-nb.info/gnd/118518011" key="p0017">Busoni, Ferruccio</persName>
<!-- ABSENDEDATUM -->
<date when="0000-00-00"/>
<date when="1918-04-10"/>
<!--
ORT-ID BEI GEONAMES SUCHEN:
AUF http://www.geonames.org/advanced-search.html ORT EINGEBEN,
......@@ -295,97 +295,117 @@
<div type="transcription">
<pb n="1" facs="1918-04-10-hb_1.jpg"/>
Locarno 10. April
<opener> <salute>Mein sehr lieber Maestro !</salute></opener>
<p>
<lb/>Ihre Furcht vor den Regelmässig-
<lb/>keiten im Leben, speziell im Betriebe
<note type="foliation" place="top-right" resp="#archive">[1]</note>
<note type="shelfmark" place="margin-left" resp="#archive">
<subst><del rend="strikethrough"><idno type="D-B.olim">Mus.ep. H. Huber 78 (Busoni-Nachl.B II)</idno></del>
<add><idno type="D-B">Mus.Nachl. F. Busoni B II, 2304a</idno></add>
</subst>
</note>
<opener> <dateline> <placeName ref="l0183">Locarno</placeName> <date when-iso="1918-04-10">10. April <note type="annotation" resp="#archive">[1918?]</note></date> </dateline>
<lb/>
<lb/><salute>Mein sehr lieber Maestro!</salute></opener>
<p rend="indent-first">Ihre Furcht vor den Regelmäßig
<lb break="no"/>keiten im Leben, speziell im Betriebe
<lb/>der Briefschreiberei hatte auch
<lb/>mich erfasst, obwohl ich Ihnen gern
<lb/>hie <choice><orig>&amp;</orig><reg>und</reg></choice> da ein liebes Wort oder - als
<lb/>Abonnent de Zürcher<choice><abbr>ztg.</abbr><expan>zeitung</expan></choice> <choice><orig>&amp;</orig><reg>und</reg></choice> als Mitwisser
<lb/>mich erfa<choice><orig>ß</orig><reg>ss</reg></choice>t, obwohl ich Ihnen gern
<lb/>hie <choice><orig>&amp;</orig><reg>und</reg></choice> da ein liebes Wort oder &#8211; als
<lb/>Abonnent der
<orgName ref="#o0026">Zürcher<choice><abbr>ztg.</abbr><expan>zeitung</expan></choice></orgName>
<choice><orig>&amp;</orig><reg>und</reg></choice> als Mitwi<choice><orig>ß</orig><reg>ss</reg></choice>er
<lb/>aller Ihrer <choice><orig>Th</orig><reg>T</reg></choice>aten … ein Zeichen
<lb/>meiner stillen Bewunderung zu ge=
<lb/>schickt hätte ! Dass Sie, trotz
<lb/>aller innerer Wu<choice><orig>th</orig><reg>t</reg></choice> , noch einmal
<lb/>meiner stillen Bewunderung zu ge
<lb break="no"/>schickt hätte! Da<choice><orig>ß</orig><reg>ss</reg></choice> Sie, trotz
<lb/>aller i<choice><orig>n&#773;</orig><reg>nn</reg></choice>erer Wu<choice><orig>th</orig><reg>t</reg></choice> , noch einmal
<lb/>das “pianistische Wort” der Welt
<lb/>ergriffen haben, zeugt für ihren
<lb/>großen Standpunkt in der Musik!
<lb/> Nur dass sie nach allem, was man
<lb/>aus den Coulissen vernimmt, auf
<lb/>der gesunden Höhe Ihrer anderen
<lb/>Nur da<choice><orig>ß</orig><reg>ss</reg></choice> sie nach allem, was man
<lb/>aus den Coulißen verni<choice><orig>m&#773;</orig><reg>mm</reg></choice>t, auf
<lb/>der gesunden Höhe Ihrer <hi rend="underline">anderen</hi>
<lb/>Lebensaufgabe stehen, so darf
<pb n="2" facs="1918-04-10-hb_2.jpg"/>
<note type="stamp" place="bottom_right" resp="#dsb_st_red">
<stamp rend="round border align(center)">Deutsche
<lb/>Staatsbibliothek
<lb/><placeName ref="#l0029"><hi rend="spaced-out">Berlin</hi></placeName></stamp>
</note>
<lb/> ich Sie über die hohen Mauern
<lb/> der Alpen als unseren grand patron
<lb/>(wie Sarasate einmal Joachim nannte)
<lb/><choice><orig>&amp;</orig><reg>und</reg></choice> als unseren Mann der Zukunft
<lb/>begrüßen ! _
<lb/>Wenn ich in Basel gewesen
<lb/>wäre so hätten Sie das Programm
<lb/>der Zürcher populären Konzerte
<lb/>auch den Baslern schenken müssen,
<lb/> der Alpen als unseren <foreign xml:lang="fr" rend="antiqua dq-du">grand patron</foreign>
<lb/>(wie <persName ref="#p0170">Sarasate</persName> einmal <persName ref="#p0171">Joachim</persName> na<choice><orig>n&#773;</orig><reg>nn</reg></choice>te)
<lb/><choice><orig>&amp;</orig><reg>und</reg></choice> als unseren <hi rend="underline">Ma<choice><orig>n&#773;</orig><reg>nn</reg></choice> der Zukunft</hi>
<lb/>begrüßen ! &#8212; </p>
<p rend="indent-first">We<choice><orig>n&#773;</orig><reg>nn</reg></choice> ich in <placeName ref="#l0097">Basel</placeName> gewesen
<lb/>wäre so hätten Sie das Progra<choice><orig>m&#773;</orig><reg>mm</reg></choice>
<lb/>der <placeName ref="#l0132">Zürcher</placeName> populären Konzerte
<lb/>auch den Baslern schenken mü<choice><orig>ß</orig><reg>ss</reg></choice>en,
<lb/>statt dieselben mit den 4 Symphonien
<lb/>von Brahms zu embätiren, wie es
<lb/>von <persName ref="p0009" rend="antiqua">Brahms</persName> zu <hi rend="antiqua">embätiren</hi>, wie es
<lb/>jetzt unbegreiflicher Weise unser
<lb/>Freund Suter <choice><orig>th</orig><reg>t</reg></choice>ut. _
<lb/>Der Winter hat in Locarno
<lb/>Freund <persName ref="#p0132" rend="antiqua">Suter</persName> <choice><orig>th</orig><reg>t</reg></choice>ut. &#8212; </p>
<p rend="indent-first">Der Winter hat in <placeName ref="#l0183">Locarno</placeName>
<lb/>keine Gewalt<choice><orig>th</orig><reg>t</reg></choice>aten ausgeübt <choice><orig>&amp;</orig><reg>und</reg></choice>
<lb/>blieb in den zarten Grenzen der
<lb/> xxx anregenden Helligkeit Helioss,
<lb/> die gerade notwendig ist, um einem
<lb/><foreign xml:lang="la" rend="antiqua">state</foreign> anregenden Helligkeit Helios&#8217;s,
<lb/>die gerade no<choice><orig>th</orig><reg>t</reg></choice>wendig ist, um einem
<lb/>bescheidenen Schaffen einiges Gedeihen
<lb/>zu geben. Mein Oratorium wächst
<lb/>in der Athmosphäre der gregorianischen
<lb/>zu geben. Mein <hi rend="antiqua">Oratorium</hi> wächst
<lb/>in der A<choice><orig>th</orig><reg>t</reg></choice>mosphäre der gregorianischen
<pb n="3" facs="1918-04-10-hb_3.jpg"/>
<note type="foliation" place="top-right" resp="#archive">[2]</note>
<note type="stamp" place="bottom_left" resp="#dsb_st_red">
<stamp rend="round border align(center)">Deutsche
<lb/>Staatsbibliothek
<lb/><placeName ref="#l0029"><hi rend="spaced-out">Berlin</hi></placeName></stamp>
</note>
<lb/> Melodik <choice><orig>&amp;</orig><reg>und</reg></choice> zugleich auch in dieser
<lb/> merkwürdigen Rhytmik; ich stehe
<lb/> merkwürdigen Rhy<choice><orig>t</orig><reg>th</reg></choice>mik; ich stehe
<lb/> somit mit allem ein wenig auf
<lb/> historischem Boden, wenn ich so sagen darf.
<lb/> Welfrum’s Einleitung zu der Ausgabe
<lb/> der Kirchenchöre von Liszt bestätigte
<lb/> mich in vielem in meinen Arbeiten.
<lb/> historischem Boden, we<choice><orig>n&#773;</orig><reg>nn</reg></choice> ich so sagen darf.
<lb/> <persName ref="#pxxx" rend="antiqua">Wolfrum’s</persName> Einleitung zu der Ausgabe
<lb/> der Kirchenchöre von <persName ref="#p0013" rend="antiqua">Liszt</persName> bestätigte
<lb/> mich in vielem in meinen Arbeiten.
<!-- zwischen 1907-1936 erschien eine L. Gesamtausgabe (Carl-Alexander-Ausgabe) mit wechselnden Herausgebern, jeder Band enthielt Einleitung und kritischen Bericht, 1918 erschien Band V. kirchliche und geistliche Werke, 3 Messe und Requiem, mit Vorwort von Philipp Wolfrum-->
<lb/> Und doch bin ich nicht recht klar
<lb/> darüber, ob Liszt eigentlich in den
<lb/> darüber, ob <persName ref="#p0013" rend="antiqua">Liszt</persName> eigentlich in den
<lb/> 60ger Jahren den Grundcharakter
<lb/> der gregorianischen Gewalt schon
<lb/> begriffen hatte, oder mehr mit
<lb/> seinen künstlerischen Intuitionen
<lb/> nach Außen, nach Innen - als Genius -
<lb/> seinen künstlerischen Intuitionen
<lb/>nach Außen, nach Innen &#8211; als <foreign xml:lang="la" rend="antiqua">Genius</foreign> &#8211;
<lb/> den Hauptzug der katholischen damaligen
<lb/> Dichtung in der genialen Art
<lb/> umändern wollte, wie er es ge<choice><orig>th</orig><reg>t</reg></choice>an
<lb/> hat. Ich bewundere die <choice><orig>Th</orig><reg>T</reg></choice>aten
<lb/> <choice><orig>&amp;</orig><reg>und</reg></choice> diese merkwürdige Seite Liszt’s
<lb/> <choice><orig>&amp;</orig><reg>und</reg></choice> diese merkwürdige Seite <persName ref="#p0013" rend="antiqua">Liszt</persName>&#8217;s
<lb/> immer mehr <choice><orig>&amp;</orig><reg>und</reg></choice> fühle mich arm <choice><orig>&amp;</orig><reg>und</reg></choice>
<lb/> -bescheiden! -
<lb/> Nach Ostern ziehe ich mit dem
<lb/> Hab <choice><orig>&amp;</orig><reg>und</reg></choice> Gut wieder nach Vitzrau
<lb/> &#8211; bescheiden! &#8211; </p>
<p rend="indent-first">Nach Ostern <add rend="above">ziehe ich</add> mit dem
<lb/> Hab <choice><orig>&amp;</orig><reg>und</reg></choice> Gut wieder nach <placeName ref="#l0200" rend="antiqua">Vitznau</placeName>
<lb/> <choice><orig>&amp;</orig><reg>und</reg></choice> rücke Ihnen somit um vieles
<pb n="4" facs="1918-04-10-hb_4.jpg"/>
<lb/> näher ! Hoffentlich fürt uns das
<lb/> Geschick dann wieder einmal in die
<lb/> Sphären eines gesunden Kolloquiums!
<lb/> Zu den Opern von
<lb/> dem lieben Schenk käme ich
<lb/> gern; allein solche Dinge kann ich
<lb/> noch nicht wagen. Vielleicht
<lb/> geht es von Vitzrau aus, wenn
<lb/> die Werke (es sind doch zwei Opern?)
<lb/> dann noch auf dem Repertoire stehen!
<lb/> Gott befohlen <choice><orig>&amp;</orig><reg>und</reg></choice>
<lb/> Frühlingsgrüße von Ihrem
<lb/> getreuen
<lb/> Hans Huber
</p>
<lb/>näher ! Hoffentlich fürt uns das
<lb/>Geschick <add rend="above">da<choice><orig>n&#773;</orig><reg>nn</reg></choice></add> wieder einmal in die
<lb/>Sphären eines gesunden Kolloquiums! </p>
<p rend="indent-first">Zu den Opern von
<lb/>dem lieben <persName ref="#p0141" rend="antiqua">Schoeck</persName> käme ich
<lb/>gern; allein solche Dinge kann ich
<lb/>noch nicht wagen. Vielleicht
<lb/>geht es von <placeName ref="#l0200">Vitznau</placeName> aus, wenn
<lb/>die Werke (es sind doch zwei Opern?)
<lb/>dann noch auf dem Repertoire stehen! </p>
<closer>
<salute rend="indent-first">Gott befohlen <choice><orig>&amp;</orig><reg>und</reg></choice>
<lb/> Frühlingsgrüße von Ihrem
<lb rend="indent"/> getreuen</salute>
<lb/> <signed rend="align(right)">Hans Huber</signed></closer>
</div>
</body>
</text>
......
Markdown is supported
0% or .
You are about to add 0 people to the discussion. Proceed with caution.
Finish editing this message first!
Please register or to comment