Commit c181a1b0 authored by Christian Schaper's avatar Christian Schaper
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1903-09-10: Weindel-Lesarten

parent 9cacd685
......@@ -181,15 +181,12 @@
<!-- Zum hier codierten Brief ist der folgende die Antwort:-->
<!--
<ref type="replyFrom" target="#........">Auf diesen Brief antwortet der
von <persName ref="#p....">Name des Senders</persName>
an <persName ref="#p....">Name des Empfängers</persName>
am <date when-iso="1904-02-30">30. Februar 1904</date>.
<ref type="replyFrom" target="#1903-09-14-bs">Auf diesen Brief antwortet der
von <persName ref="#p0017">Busoni</persName>
an <persName ref="#p0023">Schönberg</persName>
am <date when-iso="1903-09-14">14. September 1903</date>.
</ref>
-->
<!-- Der vorherige Brief innerhalb dieser Korrespondenz ist dieser:-->
<ref type="previous" target="#1909-09-03-bs">Vorheriger Brief im Briefwechsel:
<persName ref="#p0017">Busoni</persName>
......@@ -248,27 +245,38 @@
<opener>
<dateline rend="align(right)">
<placeName ref="#l0038">Payerbach</placeName> <date when-iso="1903-09-10">10./9.1903</date><!-- bei Weindel 2003, S. 316, fälschlich: Payersbach -->
<placeName ref="#l0038">Payerbach</placeName><note resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003" subtype="major"><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 316 fälschlich: Payersbach“.</note> <date when-iso="1903-09-10">10./9.1903</date>
</dateline>
<salute rend="inline">
<choice>
<unclear cert="high">Hochverehrter</unclear><!-- so W 2003 (316) -->
<unclear cert="low">Hoch verehrter</unclear>
<unclear cert="low">Hochverehrter</unclear><!-- so W 2003 (316) -->
<unclear cert="high">Hoch verehrter</unclear>
</choice> Herr Professor,</salute>
</opener>
<p>aus Ihrem Briefe
<lb/>an <persName ref="#p0024">Herrn Dr. Schenker</persName>, dessen <title ref="#w0016">Syrische Tänze</title><!-- W 2003 (316) fälschlich: syrische -->
<lb/>ich für Orchester setze, entnahm ich, daß Sie<!-- W 2003 transkribiert ſs offenbar stets als ss -->
<lb/>auch heuer<note resp="#christian.schaper" type="w" subtype="major"><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 316 fälschlich: „sicher“.</note> Ihre „Modernen<note resp="#christian.schaper" type="w" subtype="minor"><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 316 fälschlich: „modernen“.</note> Concerte“ in Berlin
<lb/>abhalten. <!-- W 2003 hier fälschlich mit neuem Absatz -->Da ich schon, als ich noch in Berlin<!-- kommentieren: wann war das? seit wann nicht mehr, wo dann? -->
<lb/>war, die Absicht hatte Sie aufzusuchen, darin
<lb/>aber insofern mißglückte, als Sie verreist
<lb/>waren, erlaube ich mir mich brieflich mit
<lb/>dem an Sie zu wenden, um was ich Sie
<lb/>damals angehen wollte.</p>
<p>aus Ihrem Briefe <lb/>an <persName ref="#p0024">Herrn Dr. Schenker</persName>,
dessen <title ref="#w0016">Syrische<note resp="#christian.schaper"
type="ed_w_2003" subtype="minor"><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>
fälschlich: „syrische“.</note> Tänze</title>
<lb/>ich für Orchester setze, entnahm ich, daß<note resp="#christian.schaper"
type="ed_w_2003" subtype="minor"><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>
transkribiert hier und im Folgenden die Zeichenfolge ſs (langes s, rundes s)
stets als „ss“; da sie in Kurrentschrift für gewöhnlich (und auch in
Schönbergs Hand) nicht zuverlässig von der ß-Ligatur unterscheidbar ist,
transkribieren wir in diesen Fällen stets mit „ß“.</note> Sie <lb/>auch
heuer<note resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003" subtype="major"><ref
target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 316 fälschlich: „sicher“.</note>
Ihre „Modernen<note resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003" subtype="minor"
><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 316 fälschlich:
„modernen“.</note> Concerte“ in Berlin <lb/>abhalten.<note
resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003" subtype="minor"><ref
target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 316 im Anschluss fälschlich mit
neuem Absatz.</note> Da ich schon, als ich noch in Berlin<!-- kommentieren: wann war das? seit wann nicht mehr, wo dann? -->
<lb/>war, die Absicht hatte Sie aufzusuchen, darin <lb/>aber insofern
mißglückte, als Sie verreist <lb/>waren, erlaube ich mir mich brieflich mit
<lb/>dem an Sie zu wenden, um was ich Sie <lb/>damals angehen wollte.</p>
<p>Folgendes: Ich habe eine symphonische
<lb/>Dichtung: <!-- W 2003 (316) fälschlich ohne den Doppelpunkt --><title ref="#w0012">„Pelleas und Melisande“</title> nach <persName ref="#p0027">Maeterlinck</persName>
<lb/>componiert. <!-- W 2003 (316) fälschlich: componirt --> Da diese nun leider insofern
<lb/>Dichtung:<note resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003" subtype="minor"><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 316 fälschlich ohne den Doppelpunkt.</note> <title ref="#w0012">„Pelleas und Melisande“</title> nach <persName ref="#p0027">Maeterlinck</persName>
<lb/>componiert.<note resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003" subtype="minor"><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 316 fälschlich: componirt“.</note> Da diese nun leider insofern
<lb/>zu den <add xml:id="change2" place="inline"></add>selten <del xml:id="change1" rend="strikethrough"></del>aufgeführten Werken“ gehört, als
<substJoin target="change1 change2"/>
<lb/>sie noch gar nicht aufgeführt ist und meine
......@@ -282,47 +290,72 @@
<pb n="2" facs="1903-09-10-sb_2.png"/>
Sie zu fragen, ob Sie sie nicht einmal<del rend="strikethrough"><gap extent="1" unit="chars" reason="strikethrough"/></del>
<lb/>ansehen <!-- W 2003 (316) fälschlich: "ansagen oder ansetzen" [sic!]--> wollten.<!-- W 2003 (316) fälschlich: wollen. --></p>
<p>Besonders empfehlend ist es nicht, was ich
<lb/>Ihnen über das Schicksal <rs ref="#w0012">des Werkes</rs> hier mit<lb break="no"/>theilen
will.<!-- W 2003 hier fälschlich mit neuem Absatz --> Nämlich: <persName ref="#p0025">Nikisch</persName> hat mir <del rend="strikethrough">si</del>e<add place="inline">s</add><!-- W 2003 (316): sie -->
<lb/>nach einem Tage,<!-- W 2003 (316) ohne Komma, was kann der Strich noch sein? --> ohne ein Wort der Antwort
<lb/>zurückgeschickt.<!-- W 2003 hier fälschlich mit neuem Absatz --> Und <persName ref="#p0026">Weingartner</persName> hat mir
<lb/>nicht einmal Gelegenheit gegeben, <subst>
<lb/>ansehen<note resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003" subtype="major"><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 316 fälschlich: „ansagen oder ansetzen“ [sic!].</note> wollten.<note resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003" subtype="minor"><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 316 fälschlich: fälschlich: „wollen“.</note></p>
<p>Besonders empfehlend ist es nicht, was ich <lb/>Ihnen über das Schicksal <rs
ref="#w0012">des Werkes</rs> hier mit<lb break="no"/>theilen will.<note
resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003" subtype="minor"><ref
target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 316 im Anschluss fälschlich mit
neuem Absatz.</note> Nämlich: <persName ref="#p0025">Nikisch</persName> hat
mir <del rend="strikethrough">si</del>e<add place="inline">s</add><note
resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003" subtype="minor"><ref
target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 317 interpretiert das
überschriebene „sie“ als die Hauptlesart.</note>
<lb/>nach einem
Tage,<!-- W 2003 (316) ohne Komma, was kann der Strich noch sein? --> ohne ein
Wort der Antwort <lb/>zurückgeschickt.<note resp="#christian.schaper"
type="ed_w_2003" subtype="minor"><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S.
316 im Anschluss fälschlich mit neuem Absatz.</note> Und <persName
ref="#p0026">Weingartner</persName> hat mir <lb/>nicht einmal Gelegenheit
gegeben, <subst>
<del rend="overwritten">sie</del>
<add place="across">es</add><!-- W 2003 (317): sie -->
</subst> ihm
<lb/>zu zeigen.<!-- W 2003 hier fälschlich mit neuem Absatz --> Freunde, die sich damit bekannt
<lb/>machen wollten kamen über die ersten
<lb/>Seiten nicht hinaus.<!-- W 2003 hier fälschlich mit neuem Absatz --> Und hier liegt auch
<lb/>der Grund, warum ich <rs ref="#w0012">das Werk</rs> nirgends an<lb break="no"/>bringen
kann: Die<!-- W 2003 (317): die --> Sache ist so compliciert,
<lb/>daß es wirklich ein Opfer ist, wenn jemand
<lb/>sich die Mühe<!-- W 2003 (317): Muse --> nimmt sie<!-- "sie" ist wohl alternativlos, aber doch zu diskutieren --> anzusehen.<!-- W 2003 (317): anzusetzen --> <!-- W 2003 hier fälschlich mit neuem Absatz -->Dann
<lb/>noch Eines: ein sehr großes Orchester!
<lb/>(kl Fl., 3 gr Fl., 3 Ob., 1 Engl H., Es-Cl, 3 Clar, Baß-Clar,
<!-- W 2003 (317) fälschlich: "kl. Fl. 3 gr. Fl,", "Engl.", "BassClar," -->
<lb/>3 Fagotte, Ctr-Fag, 8 Hörner, 4 Trp, 6 Posaunen
<lb/>2 Harfen und viele Streicher).<!-- W 2003 hier fälschlich mit neuem Absatz --> Ich setze Ihnen
<lb/>Alles dies schon vorher auseinander, weil
<lb/>über diese Punkte hinweg, bis zur Frage
<stamp rend="align(right)">(Deutsche<lb/>Staatsbibliothek<lb/><placeName ref="#l0029">Berlin</placeName>)</stamp>
<pb n="3" facs="1903-09-10-sb_3.png"/>
ob an der Sache auch etwas dran ist, noch
<add place="across">es</add>
</subst><note resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003" subtype="minor"><ref
target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 317 interpretiert das
überschriebene „sie“ als die Hauptlesart.</note> ihm <lb/>zu zeigen.<note
resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003" subtype="minor"><ref
target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 317 im Anschluss fälschlich mit
neuem Absatz.</note> Freunde, die sich damit bekannt <lb/>machen wollten
kamen über die ersten <lb/>Seiten nicht hinaus.<note resp="#christian.schaper"
type="ed_w_2003" subtype="minor"><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S.
317 im Anschluss fälschlich mit neuem Absatz.</note> Und hier liegt auch
<lb/>der Grund, warum ich <rs ref="#w0012">das Werk</rs> nirgends an<lb
break="no"/>bringen kann: Die<!-- W 2003 (317): die --> Sache ist so
compliciert, <lb/>daß es wirklich ein Opfer ist, wenn jemand <lb/>sich die
Mühe<note resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003" subtype="major"><ref
target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 317 fälschlich: „Muse“.</note>
nimmt sie<!-- "sie" ist wohl alternativlos, aber doch zu diskutieren -->
anzusehen<note resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003" subtype="minor"
><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 317 fälschlich:
„anzusetzen“</note>.<note resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003"
subtype="minor"><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 317 im Anschluss
fälschlich mit neuem Absatz.</note> Dann <lb/>noch Eines: ein sehr großes
Orchester! <lb/>(kl Fl., 3 gr Fl.,<note resp="#christian.schaper"
type="ed_w_2003" subtype="minor"><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S.
317 fälschlich: „kl. Fl. 3 gr. Fl,“.</note> 3 Ob., 1 Engl<note
resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003" subtype="minor"><ref
target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 317 fälschlich: „Engl.“.</note>
H., Es-Cl, 3 Clar, Baß-Clar,<note resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003"
subtype="minor"><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 317 fälschlich:
„BassClar,“.</note>
<lb/>3 Fagotte, Ctr-Fag, 8 Hörner, 4 Trp, 6 Posaunen <lb/>2 Harfen und viele
Streicher).<note resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003" subtype="minor"
><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 317 im Anschluss fälschlich
mit neuem Absatz.</note> Ich setze Ihnen <lb/>Alles dies schon vorher
auseinander, weil <lb/>über diese Punkte hinweg, bis zur Frage <stamp
rend="align(right)">(Deutsche<lb/>Staatsbibliothek<lb/><placeName
ref="#l0029">Berlin</placeName>)</stamp>
<pb n="3" facs="1903-09-10-sb_3.png"/> ob an der Sache auch etwas dran ist, noch
<lb/>Keiner gekommen ist.</p>
<p>Wenn Sie also die Freundlichkeit hätten<!-- W 2003 (317) fälschlich mit Komma -->
<lb/>sich meine Partitur an<del rend="strikethrough">zu</del>sehen <add place="above">zu wollen</add>, so möchte ich
<lb/><choice><sic>Sie<!-- so auch W 2003 (317) --></sic><corr>sie</corr></choice> Ihnen gerne schicken.</p>
<p>Verzeihen Sie, die Kühnheit, mit der ich
<lb/>mich an Sie wende; Mut dazu giebt mir
<lb/>die Ihre:<!-- W 2003 (317) fälschlich ohne Doppelpunkt --> sich für moderne oder gar neue
<lb/>die Ihre:<note resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003" subtype="minor"><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 317 fälschlich ohne den Doppelpunkt.</note> sich für moderne oder gar neue
<lb/>Werke einsetzen zu wollen, trotz des Gekläffes
<lb/>der „Neidinge“.<!-- W 2003 (317) fälschlich: Neidlinge [Wagner-Anspielung?] --> Und da wage ich es denn<!-- W 2003 (317) fälschlich: dann -->
<lb/>bloß<!-- W 2003 (317) fälschlich: blos --> vom Werke zu reden und so tritt
<lb/>meine sonst<!-- W 2003 (317) fälschlich: fast --> bescheidene Person — in
<lb/>der „Neidinge“.<note resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003" subtype="major"><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 317 fälschlich: Neidlinge“.</note> Und da wage ich es denn<note resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003" subtype="minor"><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 317 fälschlich: dann“.</note>
<lb/>bloß<note resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003" subtype="minor"><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 317 fälschlich: blos“.</note> vom Werke zu reden und so tritt
<lb/>meine sonst<note resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003" subtype="major"><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 317 fälschlich: fast“.</note> bescheidene Person — in
<lb/>den Hintergrund, wodurch merkwürdiger<lb break="no"/>weise
die Unbescheidenheit
<lb/>dieses Briefes entsteht.</p>
......@@ -333,7 +366,7 @@
<salute rend="align(center)">der vorzüglichsten Hochachtung
<lb/>ergebenst</salute>
<signed rend="align(center)">Arnold Schönberg</signed>
<dateline rend="align(center)"><placeName ref="#l0038">Payerbach<!-- W 2003 (317) fälschlich: Payersbach --></placeName> 126
<dateline rend="align(center)"><placeName ref="#l0038">Payerbach<note resp="#christian.schaper" type="ed_w_2003" subtype="major"><ref target="#b0003">Weindel 2003</ref>, S. 317 fälschlich: Payersbach“.</note></placeName> 126
<lb/>Nied-Oesterr.</dateline>
</closer>
......
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