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Versionskonflikt gelöst (Mülhausen); Ergänzungen und Korrekturen 1910-10-12

parent 3435afef
......@@ -2225,6 +2225,17 @@
<!-- <idno type="GND">1087478308</idno> keine GND-Nummer -->
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<msContents>
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<!-- ZUSAMMENFASSUNG DES BRIEFS.
HÄUFIG GENUTZTE PERSONENIDS: <persName ref="#p0017">Busoni</persName> <persName ref="#p0125">Huber</persName> -->
<persName ref="#p0017">Busoni</persName> drückt seine Verzweiflung über die Kritik des vergangenen Konzertes
aus und sinniert über deutsche Tiefe in der Musik.
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<docDate><date when-iso="1910-10-12"/></docDate>
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<correspAction type="received">
<persName ref="http://d-nb.info/gnd/118707469" key="p0125">Huber, Hans</persName>
<!-- (EMPFANGSORT- UND DATUM, NUR FALLS SERIÖS ERMITTELBAR, SONST WEGLASSEN)
<placeName ref="http://www.geonames.org/ID_DES_ORTES" key="l....">ORT</placeName>
<date when="0000-00-00"/> -->
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<correspContext>
<!-- DIESER BRIEF IST DIE ANTWORT AUF -->
<ref type="replyTo" target="#0000-00-00-hb"/>
<!-- DIESER BRIEF IST DIE ANTWORT AUF -->
<!-- <ref type="replyTo" target="#0000-00-00-hb"/> -->
<!-- Nicht existent. -->
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<revisionDesc status="unfinished">
<change when-iso="2017-01" who="#jakob.schmidt"> Datei als Platzhalter erstellt, Transkription ausstehend; status="todo".</change>
<change when-iso="2017-01" who="#jakob.schmidt">Datei als Platzhalter erstellt, Transkription ausstehend; status="todo".</change>
<change when-iso="2017-03-15" who="#juliane.imme">Erstmalige Briefkodierung; status="unfinished".</change>
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......@@ -217,7 +214,7 @@
<date when-iso="1910">1910</date>
</note>
<note resp="#major_hand">
<note resp="#major_hand" type="annotation">
das <hi rend="underline" n="2"><choice><orig>Concert</orig><reg>Konzert</reg></choice></hi>!!
</note>
......@@ -227,7 +224,20 @@
<p>
Ich vermisste Sie sehr am
<lb/>letzten Abend - aber ich
<lb/>letzten Abend
<note resp="#juliane.imme">
Extrakonzert der <orgName ref="#o0021">Allgemeinen Musikgesellschaft <placeName ref="#">Basel</placeName></orgName>
am <date when="1910-10-04">4. Oktober 1910</date> im Musiksaal, <placeName ref="#">Basel</placeName>.
<lb/>Leitung: <persName ref="#p0132">Hermann Suter</persName>. Solisten: <persName ref="#p0017">Ferruccio Busoni</persName>,
<persName ref="#p0031">Egon Petri</persName>.
<lb/><persName ref="#p0001">Beethoven</persName>, <title ref="#w0010">Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll</title> (<persName ref="#p0017">Busoni</persName>).
<lb/><persName ref="#p0013">Liszt</persName>, <title ref="#w0154">Réminiscences de <rs ref="#w0002">Don Juan</rs></title> (<persName ref="#p0017">Busoni</persName>).
<lb/><persName ref="#p0017">Busoni</persName>, <title ref="#w0014">Konzert für Klavier und Orchester in C-Dur mit Männerchor</title>
(Leitung: <persName ref="#p0017">Busoni</persName>, Klavier: <persName ref="#p0031">Petri</persName>,
Chor: <orgName ref="#o0028"><placeName ref="#">Basler</placeName> Liedertafel</orgName>).
<lb/><bibl>(<ref target="#b0047">Refardt 1939</ref>, S. 46)</bibl>
</note>
- aber ich
<lb/>kann so gut verstehen! Alles
<lb/>verlief gut, dank dem
<lb/>bereitwilligsten Eifer jedes
......@@ -237,14 +247,68 @@
<add place="above">ist</add>
</subst>
eine
<lb/>Erinnerung auserlesenster Art, wie überhaupt der
<lb/>September 1910 in <placeName ref="#l0097">Basel</placeName>!
<lb/>Erinnerung auserlesenster
<lb/>Art, wie überhaupt der
<lb/><date when-iso="1910-09">September 1910</date> in <placeName ref="#l0097">Basel</placeName>!
</p>
<p>
Der Kritiker der <orgName ref="#o0019"><choice><abbr>B.&#8239;N.</abbr><expan>Basler Nachrichten</expan></choice></orgName> meint,
<lb/><hi rend="underline">deutsche Tiefe</hi> sollte man
<lb/>in meinem <choice><abbr>italien.</abbr><expan>italienischen</expan></choice> Werke
<lb rend="align(right)"/>nicht suchen.
<note resp="#juliane.imme">
Karl Ref, <orgName ref="#o0019"><placeName ref="#">Basler</placeName> Nachrichten</orgName>,
<date when="1910-10-06">6. Oktober 1910</date>, Nr. 273:
<lb/>
<quote source="b0047">
Durch Herrn <persName ref="#p0017">Busoni</persName>, der hier einen Meisterkurs abhielt, ist unsere Musiksaison
gleich von Anfang an kräftig belebt worden. [...] Herr <persName ref="#p0017">Busoni</persName> ist einer der allergrößten
Könner unter den Pianisten der Gegenwart. [...] [A]uch in bezug auf Anschlagsnüancen ist er ein Krösus, es lebt ein
seltener Tonsinn in dem Künstler. Um so mehr mußte es überraschen, daß er beim Vortrag der großen Meister
<persName ref="#p0012">Bach</persName>, <persName ref="#p0001">Beethoven</persName> und <persName ref="#p0137">Chopin</persName>
eine Auffassung huldigt, die das, was man als die elementarste Vorbedingung betrachtet, einfach in den Wind schlägt. Er wendet ein
Rubatospiel an, das das rhythmische Bild einzelner Takte vollständig verändert, den Rhythmus willkürlich verzerrt. Besonders störend
war das z.&#8239;B. im zweiten Thema des ersten Satzes der <title ref="#w0167">Waldsteinsonate</title>, im Adagio der
<title ref="#w0003">Hammerklaviersonate</title> von <persName ref="#p0001">Beethoven</persName>, im Adagio der
<title ref="#w0191">C-Dur-Toccata</title> von <persName ref="#p0012">Bach</persName> und bei <persName ref="#p0137">Chopin</persName>
fast überall. Es ist ganz natürlich und wohlbegründet, daß man das Tempo zuweilen etwas beschleunigt oder zurückhält, aber innerhalb
der einzelnen Takte rhythmische Änderungen vorzunehmen, das wird kein deutscher Musiker gutheißen. Auch bei
<persName ref="#p0137">Chopin</persName> nicht. Es ist gar nicht einmal nötig, daran zu erinnern, daß <persName ref="#p0137">Chopin</persName>
einmal gesagt hat, <quote rend="sq-du">die linke Hand soll wie dein Kapellmeister sein, nicht auf einen Augenblick darf sie
unsicher und wankend sein</quote>, und daß alle großen Meister auf strenge Einhaltung des Rhythmus hielten.
<persName ref="#p0010">Mozart</persName> z.&#8239;B. schreibt einmal, daß er <quote rend="sq-du">immer accurat im Takte bleibe</quote>.
Für mein Gefühl verdirbt Herr <persName ref="#p0017">Busoni</persName> sogar seine eigenen Kompositionen durch seine rhythmischen
Rückungen. Seine Sonatina<!-- Welche? s. auch 1910-07-19-bh -->,
die er im Konservatorium spielte, fängt rhythmisch interessant an, die höheren Feinheiten bestehen hier wie überall in den Kontrasten
von Haupt- und Nebenstimmen; sie werden vollständig zerstört, wenn man die Hauptstimme willkürlich ändert. Der Rhythmus in der Musik
ist was die Proportionen in der bildenden Kunst. <!-- Fehlt hier ein Wort? -->
Wenn Herr <persName ref="#p0017">Busoni</persName> Architekt wäre, möchte ich nicht in einem seiner Häuser wohnen, ich fürchtete,
daß es zusammenstürzte. Ähnliche Gedanken hat man oft bei seinem Spiel. Man steht vor einem Rätsel, wie kann ein so bedeutender
Könner einer solchen Manier huldigen? Seine große Komposition, sein <rs ref="#w0014">Concerto</rs>, hat die Auflösung gebracht.
Herr <persName ref="#p0017">Busoni</persName> ist augenscheinlich seinem Wesen nach ganz Italiener geblieben. Man hat namentlich in der
bildenden Kunstschoon oft auf den Unterschied zwischen Deutsch und Italienisch hingewiesen. Im Gegensatz zu den südländischen Kunstwerken
liegt bei den Deutschen der Gehalt nicht an der Oberfläche, sondern es kommt darauf an, zu erkennen, was dahinter liegt. Herr
<persName ref="#p0017">Busoni</persName> scheint das zu suchen, aber er sucht auf falschem Weg. Die Gefühlstiefe von
<persName ref="#p0012">Bach</persName> und <persName ref="#p0001">Beethoven</persName>, die romantische Schwärmerei von
<persName ref="#p0137">Chopin</persName> scheinen ihm in ihrem Kern verschlossen zu bleiben, oder wenigstens muß die Art, wie er sie
durch rhythmische Umwertungen zu heben sucht, entschieden verurteilt werden. [...] Er nennt sein großes Werk Concerto. Die italienische
Bezeichnung ist treffend gewählt. Man könnte aus den Satzüberschriften und vorausgeschickten Erläuterungen schließen, es handle sich
um eine Art Sinfonie mit obligatem Klavier. Das ist aber, wegen des ganz melodisch-homophonen Stils, nicht zutreffend. Der Komponist
gibt sich in seinem Werk als Vollblut-Italiener, und das macht es sympathisch. Er wird deshalb nicht trivial, sondern durch des
Komponisten eminenten Tonsinn und sein Können ist es durchwegs interessant. Ein naiver Hörer meinte, er habe eine ganze Reihe Theaterszenen
an sich vorbeiziehen sehen; es ist italienische Orchestermusik, aber fesselnde und in ihrer Art kunstvolle. Es hat ja wohl einzelne
Längen (nach dem ersten Anhören zu schließen), es sind der kadenzierenden Anläufe zu viel, und daß das Ganze ohne Pause weitergeht
erschwert die Auffassung, aber es fehlt nicht an wirkungsvollen Kontrasten, eine verschwenderische Fülle von schönen Klangwirkungen
ist über das Ganze ausgestreut. Besonders geschickt verwendet der Komponist die Blasinstrumente, namentlich das Blech, effektvoll auch das
Schlagzeug. Durch die solistische Mitwirkung des Klaviers sind entschieden neue Klangwirkungen gewonnen. Deutsche Tiefe muß man in dem
<title ref="#w0014">Concerto</title> nicht suchen, aber es ist echt italienisch sinnenfreudige Musik. [...]
</quote>
<lb/><bibl>(<ref target="#b0047">Refardt 1939</ref>, S. 7)</bibl>
</note>
<!-- Widerspruch zwischen Konzertprogramm und Kritik? Gem. Refardt sind Bach und Chopin nicht aufgeführt worden,
dafür aber Liszt, der in der Kritik keine Erwähnung findet.-->
</p>
<pb n="2" facs="1910-10-12-bh_2.jpg"/>
......@@ -271,6 +335,8 @@
<pb n="3" facs="1910-10-12-bh_3.jpg"/>
<note type="foliation" resp="#archive_fol">(2)</note>
ist eigentlich Verkleinerung,
<lb/><choice><orig>Provinzialisirung</orig><reg>Provinzialisierung</reg></choice>. Deutsch
<lb/>ist: <title ref="#w0160">Lohengrin</title>, <title ref="#w0161">Freischütz</title>,
......@@ -279,7 +345,7 @@
<lb/><persName ref="#p0097">Max Reger</persName>. <persName ref="#p0008">Schumann</persName>
<lb/>auch, aber wo ist hier die
<lb/><hi rend="underline">Tiefe</hi>, die Dante und
<lb/>Michelangelo nicht hätten? <!-- Dante und Michelangelo? -->
<lb/>Michelangelo nicht hätten?
</p>
<p>
Ganz <choice><abbr>u.</abbr><expan>und</expan></choice> gar deutsch sind
......@@ -304,25 +370,23 @@
<lb/>er das Weltall zu <choice><orig>dirigiren</orig><reg>dirigieren</reg></choice>
<lb/>hätte, ganz nach eigenem
<lb/>Tempo? - Sagen Sie! -
<lb/><delSpan rend="verticalStrike" spanTo="anch"/>&#8239;&#8239;&#8239;&#8239;&#8239;&#8239;
</p>
</div>
<milestone unit="section" style="–" rend="verticalstrike"/>
<!-- <milestone unit="section" style="–"/> -->
<div type="transcription">
<!-- <milestone unit="section" style="–" rend="verticalstrike"/> -->
<p>
Darf ich mir das Mühlhauser <!-- ggf. hlhausen verlinken -->
Darf ich mir das <placeName ref="#l0241"><choice><sic>Mühlhauser</sic><corr>Mülhauser</corr></choice></placeName><anchor xml:id="anch"/>
<lb/>Auftreten noch kurze Zeit
<lb/>überlegen? - Ich <choice><orig>weiss</orig><reg>weiß</reg></choice> noch
<lb/>nicht recht, danke aber herz
<lb break="no"/>lich für die sehr <choice><orig>freund!</orig><reg>freundliche</reg></choice> Einladung. <!-- Hääh? -->
<lb break="no"/>lich für die sehr <choice><abbr><unclear reason="illegible">freundl.’</unclear></abbr><expan>freundliche</expan></choice> Einladung.
</p>
<closer>
<salute>Ihr <soCalled rend="dq-du">tief</soCalled> ergebener Freund</salute>
<signed rend="align(right)"><persName ref="#p0017">Ferruccio Busoni</persName></signed>
</closer>
</div>
</div>
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</text>
</TEI>
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